Höchst setzt auf elektronische Nasen

Pilotprojekt mit Sensortechnik zur Geruchsmessung in Sindlingen

+
Zur Messung von Geruchswahrnehmungen werden in Sindlingen neue Messgeräte installiert.

Infraserv Höchst prüft bei einem Geruchsmessprogramm in Sindlingen den Einsatz „elektronischer Nasen“: In den Industriepark-nahen Straßenzügen werden acht Messgeräte mit moderner Sensortechnik installiert, die Gerüche erkennen und dokumentieren können.

Höchst/Sindlingen - Dieses Pilotprojekt, an dem verschiedene Unternehmen und die Uni des Saarlandes beteiligt sind, ergänzt in einer einjährigen Testphase die Geruchsmessungen, die seit 2008 vorgenommen werden – mit menschlichen Nasen.

„Wenn es um die Erkennung und Einordnung von Gerüchen geht, gab es bislang keine wirklich zuverlässige Alternative zur menschlichen Nase“, erklärt Guido Schmitt, Leiter Umweltschutz von Infraserv. Zu seinem Verantwortungsbereich gehört das Messprogramm, das Infraserv seit mehr als zehn Jahren in Sindlingen und Kelsterbach ausführt, um die Geruchsbelastung ermitteln und zuordnen zu können. Täglich stehen Mitarbeiter eines unabhängigen Instituts an definierten Messpunkten und dokumentieren, ob es riecht und wonach. Gerüche nach Chemie, Klärschlamm oder Abwasser können bei entsprechender Windrichtung aus dem Industriepark kommen.

Dort wurden in den vergangenen zehn Jahren mehrere Millionen Euro in die Entsorgungsanlagen investiert, um die Geruchssituation zu verbessern – mit Erfolg, wie die Messungen belegen, deren Ergebnisse auf www.ihr-nachbar.de veröffentlicht werden.

Frankfurt Höchst/Sindlingen: Infraserv Höchst prüft Einsatz „elektronischer Nasen“

„Die Belastung durch Abwasser- und Klärschlamm-spezifische Gerüche ist deutlich zurückgegangen, wohingegen die Chemiegerüche in den Vordergrund getreten sind. Aus diesem Grund geht unsere Suche nach den Ursachen weiter, um dann mögliche Geruchsquellen zu beseitigen“, erklärt Schmitt. „Daher starten wir jetzt das Pilotprojekt mit der Sensortechnik.“ Infraserv erfüllt damit auch einen Wunsch, der im Gesprächskreis der Nachbarn des Industrieparks zum Thema Geruchsmessungen vorgebracht wurde.

Auch in diesem Gremium war schon einmal eine Geruchserfassung mit Messgeräten vorgeschlagen worden, die es damals allerdings noch nicht gab. „Inzwischen hat sich die Technik weiterentwickelt und wir wollen versuchen, mit den neuen Möglichkeiten der Sensorik noch bessere und zuverlässigere Daten zur Geruchssituation zu erhalten, aus denen wir Ideen zur Geruchsminderung ableiten können“, sagt Schmitt.

Wie funktioniert eine elektronische Nase? Die Messgeräte enthalten Metalloxid-Sensoren, deren elektrische Leitfähigkeit sich bei Kontakt mit Gasmolekülen ändert. „Die Moleküle modifizieren das elektrische Signal, und je nach Art des Moleküls entstehen unterschiedliche Signalmuster“, erklärt Schmitt. So lassen sich verschiedene Gase oder Gerüche voneinander unterscheiden. Die Messgeräte wurden bereits in Vorversuchen im Industriepark erfolgreich getestet, sodass nun das Pilotprojekt in Sindlingen gestartet werden kann. Die Messgeräte werden in etwa 2,50 Metern Höhe an Straßenlaternen angebracht. Die Daten werden ähnlich wie bei einem Smartphone über eine LTE-Verbindung übertragen. Infraserv informiert die Anwohner in den betroffenen Straßenzügen über das neue Messprogramm und die Geräte, die jetzt installiert werden.

Das Pilotprojekt wird von einem Konsortium umgesetzt, dem neben der Uni des Saarlandes auch die 3S GmbH als Hersteller der Sensorsysteme und die Firma Olfasense angehören, die im Auftrag von Infraserv seit 2008 das Geruchsmessprogramm ausführt.

Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Nach einem Jahr werden die Daten ausgewertet und mit den Wahrnehmungen der Olfasense-Mitarbeiter verglichen, die weiterhin in Sindlingen unterwegs sein werden und Geruchswahrnehmungen registrieren.

(red)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare