Aktionstag „V-Day“ fand mit Demo in Höchst statt

Gegen die Unterdrückung von Frauen und Mädchen getanzt

Von Noura Taibi (vorn Mitte) stammt die Choreografie zur Tanz-Demo, die am Freitag in Höchst stattfand. F.: Faure

Höchst (jf) – „Break The Chain“: Zerreißt die Ketten, heißt das Lied, das über die Fußgängerzone in der Königsteiner Straße schallt. Dirk Wenzel vom Hip-Hop-Mobil sorgt für den Sound.

Etwa 70 Mädchen und Frauen haben sich eingefunden, um auf der Straße gemeinsam tanzend gegen Gewalt zu protestieren. Über der Toreinfahrt zum Büro der Caritas hängt ein blaues Banner von „Terre des Femmes“.

Jungen stehen auf dem Bürgersteig und tragen Plakate, die zum Mittanzen auffordern. Die Choreografie für diese besondere Art des Protestes hat Noura Taibi, Sozialarbeiterin bei der Caritas, erarbeitet und mit den Schülerinnen aus der Hostato- und der Kasinoschule geprobt. Organisiert hat die Veranstaltung der seit Jahren engagierte „Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt Frankfurt West“, dem verschiedene Einrichtungen wie die evangelische Beratungsstelle, die Caritas sowie die Kinder- und Jugendhilfe angehören.

Seit 2012 gibt es den „V-Day“ (Victory over Violence/Sieg über die Gewalt) weltweit, der unter dem Motto „One Billion rising“ – Eine Milliarde steht auf – gegen die Unterdrückung von Frauen und Mädchen protestiert. Eine Milliarde – das ist jede dritte Frau in der Welt, die schon einmal Gewalt ausgesetzt war oder ist.

„In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner getötet, 2018 starben so 123 Frauen“, erklärt Ursula Barkow von der Kinder- und Jugendhilfe im Sozialrathaus Höchst. Die neuesten Zahlen sind erschreckend: 2018 gab es hessenweit 8927 Strafanzeigen von häuslicher Gewalt, 1526 in Frankfurt. Mehr als 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

„Frauen werden entsetzlich gedemütigt, haben ständig Angst. Darunter leiden natürlich auch die Kinder“, erläutert Ursula Barkow. Hilfe finden die Frauen bei der Polizei, beim Kinder- und Jugendschutz, bei der Beratungs-Interventionsstelle für Frauen, beim Verein Frauen helfen Frauen und am Hilfetelefon unter Z  08000 116016.

Oft ist Gewalt gegen Frauen ein Teufelskreis, Kinder in solchen Beziehungen können sowohl zu Opfern als auch Tätern werden. Um gerade diese Spirale zu unterbrechen, wird an einem Projekt Tätertraining gearbeitet. Und mit der Tanz-Demo die Aufmerksamkeit auf das Thema gerichtet, das nach wie vor eine große Rolle spielt – in Höchst und in der Welt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare