Wunsch der Senioreninitiative

Eine Tafel für Lore Wolf: Widerstandskämpferin gedenken

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Einweihung der Gedenktafel: Die Naturfreunde gedachten ihres ehemaligen Mitglieds Lore Wolf mit nachdenklichen Liedern.

Es hat drei Jahre gedauert, bis die Stadt dem Wunsch der Senioreninitiative Höchst nachgekommen ist und die Genehmigung einer Gedenktafel für Lore Wolf erteilte.

Höchst – Die Freude der Freunde, ehemaligen Wegefährten und Verwandten war daher nun groß, dass endlich die gewünschte Tafel an dem Haus in der Gerlachstraße, in dem sie lange Zeit lebte, angebracht wurde. Die Anwesenheit der Kulturdezernentin Ina Hartwig war ein zusätzliches Zeichen der Wertschätzung für die Lebensleistung der Frankfurter Widerstandskämpferin Lore Wolf.

„Die Notwendigkeit der Arbeit und des Engagements von Lore Wolf besteht auch fast ein Vierteljahrhundert nach ihrem Tod unverändert fort. Heute sind wir gefragt, die Werte der Demokratie zu verteidigen. Wir sind aufgefordert, eine klare Haltung für die Demokratie und für Pluralismus zu zeigen und uns gleichzeitig gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Homophobie und jede weitere Form der Diskriminierung zu positionieren“, sagte Hartwig und fügte hinzu: „Dass es drei Jahre gedauert hat, bis eine Entscheidung für diese Gedenktafel getroffen wurde, ist sicherlich bedauerlich. Aber ich denke, dass die Initiatoren mit dieser bleibenden Erinnerung zufrieden sein können.“

Ähnlich sieht das Susanne Serke (CDU), Vorstand des Ortsbeirates sechs, die den Zuschauern einige Lebensstationen von Lore Wolf näherbrachte. Waltraud Beck von der Senioreninitiative, Annette Täubrich, eine Nichte von Lore Wolf, die Grußworte einer Enkelin der Widerstandskämpferin vorlas, und die Naturfreunde sowie der Studienkreis Deutscher Widerstand erinnerten an ihr ehemaliges Mitglied.

Frankfurt Höchst: Gedenktafel für Lore Wolf

Lore Wolf kam 1900 im fränkischen Sommerhausen zur Welt, 1906 zog die Familie nach Höchst. Schon mit 15 Jahren engagierte sie sich in der Gewerkschaft. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie in einer Munitionsfabrik. Mit 19 wurde sie Mitglied in der sozialistischen Arbeiterjugend und wechselte als Stenotypistin in die Stadtverwaltung Frankfurt. Sie heiratete 1923 Hans Wolf und bekam eine Tochter. Aufgrund langjähriger Arbeitslosigkeit des Vaters wanderte die Familie 1929 in die USA aus, gelangte aber schon wenige Jahre später nach Russland, wo der Vater eine Anstellung in einer Autofabrik bekam. Ein Besuch der Familie Wolf in ihre alte Heimat Deutschland wurde ihnen dann aber zum Verhängnis. 

Die Rückreise der Familie nach Russland wurde verweigert. Offensichtlich ermutigte das Wolf, der KPD beizutreten und sich einer antifaschistischen Gruppe anzuschließen, die aber entdeckt wurde, was dazu führte, dass sie nach Paris flüchten musste. Dort lernte sie die Schriftstellerin Anna Seghers kennen, die eine langjährige Freundin wurde. Der Gestapo gelang es, Wolf 1940 zu verhaften. Sie wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Trotz Folter, Verhören und Isolation gelang es nicht, ihre Überzeugungen zu brechen. Auch verriet sie nicht den Aufenthalt Seghers. Nach dem Krieg arbeitete sie als Angestellte bei der Stadt und schrieb Artikel für antifaschistische Zeitungen. Bis zum Tod 1996 blieb sie Mitglied der KPD.

(zmo)

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