Goodbye Hoechst

Ex-Vorstandsmitglied schildert Untergang der Hoechst AG

Höchst (red) – Das Buch liest sich spannend wie ein Krimi, doch, wie bekannt, ohne Happy End. Das verkündet schon der Titel: „Goodbye Hoechst – von Könnern, Spielern und Scharlatanen“.

Was das Buch auszeichnet, ist das tiefe Insider- und Detailwissen des Autors, der hier ein wesentliches Kapitel der jüngeren deutschen Industriegeschichte nachzeichnet. Kein Wunder, handelt es sich doch um den ehemaligen Vorstand der Höchst AG, Karl-Gerhard Seifert. Viele der geschilderten Geschehnisse erscheinen schier unglaublich. Auf Seite 31 blitzt es erstmals auf, als Auftakt zu einer gnadenlosen aber fundierten Abrechnung mit dem Totengräber der ehemaligen Hoechst AG, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Dormann. Dort erzählt das langjährige Vorstandsmitglied Karl-Gerhard Seifert in seinem jetzt erschienenen Buch von einem Gespräch aus seinen Anfangsjahren bei Hoechst mit einem Vorgesetzten. Dieser sagte: „Merken Sie sich eins: Es haben schon viele Generationen versucht, Hoechst zu ruinieren, aber keiner Generation ist es bisher gelungen.“

Der nächste Satz im Buch – geschrieben von Seifert – lautet: „Jürgen Dormann hatte bereits 1970 bei der Hoechst AG angefangen, und er war es dann, dem es gelang, Hoechst untergehen zu lassen.“ Wer da nun meint, mit „Goodbye Hoechst“ rächt sich nur ein verbittertes, ausgebootetes Vorstandsmitglied, irrt. Er wurde nicht ausgebootet, sondern verließ das Unternehmen, als er die Ergebnislosigkeit seiner Bemühungen einsah, aus eigenem Entschluss, und anschließend feierte er einen unternehmerischen Erfolg nach dem anderen. Auf 575 mit kleinen Buchstaben eng beschriebenen Seiten schildert Seifert stets logisch nachvollziehbar das teilweise gespenstische Geschehen im Schatten von Turm und Brücke. Wie könnte es auch, erfährt man doch erstmals aus allererster Hand, wie und warum es soweit kommen konnte, dass der in den 80-er-Jahren weltgrößte Pharmahersteller nur wenige Jahre später zerschlagen werden konnte.

Karl Gerhard Seifert war von 1988 bis 1997 Mitglied im Vorstand der Hoechst AG. In seinen Erinnerungen blickt er besonders auf die Vorgänge zurück, die maßgeblich waren für die Fusion der Hoechst AG mit Rhone-Poulenc zu Aventis. Viele Geschehnisse erschienen auch ihm so unglaublich, dass er ab dem Jahr 2000 begann, das Erlebte aufzuschreiben. („Goodbye Hoechst“ kostet 25 Euro und hat die ISBN 978-3-95542-321-6.

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