„Das gibt mir mehr, als ich den Kindern gebe“

Caritas sucht Helfer zur Betreuung von Geflüchteten

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Ein Blick in die Sport- und Kulturhalle Unterliederbach, wo Flüchtlingskinder mit Eifer Laternen gebastelt haben.

Unterliederbach (red) – Seit einem halben Jahr sind in der Sport- und Kulturhalle Unterliederbach wieder Geflüchtete untergebracht. Betreiber ist der Caritasverband Frankfurt.

Um Angebote für die Bewohner zu erweitern und ihnen die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern, sucht der Caritasverband ehrenamtliche Helfer, die sich zwanglos und unbürokratisch in einem überschaubaren Zeitrahmen um Geflüchtete in der Flüchtlingsunterkunft kümmern. Diese wohnen dort provisorisch. Die meisten der rund 70 Bewohner kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Iran und sind in erster Linie Familien mit Kindern, alleinerziehende Mütter mit Kindern und allein reisende Frauen. Ein Großteil von ihnen sind Kinder im Alter von ein bis 17 Jahren. Die Menschen wohnen in zehn kabinenartigen, separaten Wohneinheiten in einer großen Halle, zwar sicht-, aber nicht lärmgeschützt. Die Pläne der Stadt sehen vor, dass die Halle Ende 2019 abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt wird. Die Flüchtlingsunterkunft soll bis zum 31. Oktober betrieben werden. Trotz der schwierigen Unterbringungssituation bemühen sich die Flüchtlinge dort sehr, sich zu integrieren und schnell die deutsche Sprache zu erlernen. Die allermeisten Bewohner besuchen Sprachkurse. „Und man glaubt nicht, wie schnell gerade die Kinder unsere Sprache, die ja alles andere als einfach ist, verstehen und sprechen lernen“, sagt der zuständige Ehrenamtskoordinator in der Flüchtlingshilfe des Caritasverbandes, Robert Biersack.

Den Kindern macht es mitunter sogar Spaß, speziell dann, wenn sie ihren langsamer lernenden Eltern als Dolmetscher dienen können. Zur Unterstützung der Geflüchteten werden nach wie vor dringend ehrenamtliche Begleiter für Kinder und Erwachsene benötigt. Aufgabenfelder sind vor allem Hilfen beim Spracherwerb sowie bei der Kommunikation im Alltag. Bei den Kindern geht es darum, sich einfach mit ihnen zu beschäftigen und persönliche Beziehungen zu knüpfen, um Hausaufgabenhilfe, Spiel und Spaß, Werken und Basteln. Dazu gehört ferner, auch mal auf den benachbarten Bolzplatz zu gehen, gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Zoo- oder Bibliotheksbesuche zu betreiben. Solche Hilfestellungen sollen die Eingewöhnung der Bewohner fördern.

Auch den Erwachsenen können die ehrenamtlichen Helfer beistehen, beispielsweise bei Behördengängen oder dem Ausfüllen von Formularen. Für die Beratung im Asylverfahren allerdings kommt zweimal die Woche eine Fachfrau, um über rechtliche Möglichkeiten zu informieren. Ziel ist außerdem, 1:1-Begleitungen als Mentoren für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu etablieren. Die meisten der in der Notunterkunft lebenden Erwachsenen dürfen arbeiten. Oft üben Sie einfache Tätigkeiten in der Gastronomie oder im Baugewerbe aus, sofern es mit der Sprache funktioniert.

Ehrenamtliche Betreuer, die in Unterliederbach schon länger aktiv sind, schwärmen geradezu von ihrer Aufgabe. Sie berichten von der Liebe, dem bedingungslosen Vertrauen der Kinder, deren Wissbegierde und ihrer Freude an allem Neuen und was man mit ihnen unternimmt. „Das gibt mir letztlich mehr, als ich den Kindern gebe“, sagt einer der Betreuer. Altersmäßig gibt es keine Grenzen für dieses Engagement. Es können Rentner sein, junge Leute oder Frauen und Männer, die in der Mitte des Lebens und fest im Beruf stehen. Allerdings sollten sie bei den Betreuungszeiten eine gewisse Kontinuität wahren.

Robert Biersack wendet sich auch an bereits hier lebende Menschen mit Migrationshintergrund. Viele von ihnen hätten das Schicksal der Flüchtlinge am eigenen Leibe erfahren. Mit solchen Helfern klappe die Zusammenarbeit deshalb meist sehr gut, wie auch das Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien und Religionen in der Halle „erstaunlich gut“ funktioniere. Die Religion spiele im Alltag meist keine oder nur eine untergeordnete Rolle, sagt Biersack. „Außerdem fragen wir nicht nach Religion, sondern nehmen die Schutzsuchenden als Menschen an.“ Vor Sprachbarrieren brauchen sich die Ehrenamtlichen nicht zu scheuen. Es gibt Dolmetscher, die helfend zur Seite stehen, wenn die Kommunikation mal ins Stocken gerät. Interessierte wenden sich an Ehrenamtskoordinator Robert Biersack unter 069-17002427 oder robert.biersack@caritas-frankfurt.de.

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