Arbeitsbedingungen in der Reinigung

Die Würde der Arbeitskraft unter prekären Bedingungen

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Udo Bullmann (links) und Hans-Joachim Rosenbaum äußern sich zur Lage der Gebäudereiniger am Flughafen.

Flughafen (jf) – Hans-Joachim Rosenbaum, IG BAU-Regionalleiter Hessen, und Udo Bullmann, seit 1999 SPD-Europa-Abgeordneter, trafen sich mit Beschäftigten und Betriebsräten aus dem Gebäudereiniger-Handwerk Hessen.

Die Konferenz fand in einem kleinen Raum des Airport Centers statt. Denn: Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks kündigte am 25. April den seit 1. Januar 2012 gültigen Rahmentarifvertrag. Als Grund wird ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom Dezember 2018 angeführt. Das Urteil regelt den Mehrarbeitszuschlag auch bei Überstunden von Teilzeitbeschäftigten. Das jedoch wollen die rund 2500 Mitgliedsbetriebe des Arbeitgeberverbandes nicht.

Deutschlandweit sind knapp 700.000 Menschen als Gebäudereiniger tätig, damit ist das die beschäftigungsstärkste Handwerksbranche Deutschlands. Allerdings, so erläuterte Hans-Joachim Rosenbaum, arbeiten 80 Prozent in Teilzeit. 10,56 Euro pro Stunde verdient eine Reinigungskraft. Es geht um mehr Geld, Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, einen Branchentreuebonus, Aufstiegsmöglichkeiten, die Verbesserung der Kündigungsfristen und Regelungen zur Rufbereitschaft. „Eine sachgrundlose Befristung macht Arbeiter zu Menschen zweiter Klasse“, sagte Rosenbaum und forderte zu diesem Thema eine Diskussion im Bundestag. „Fast alle unsere Beschäftigten hängen in Systemen der Angst“, fügte er hinzu.

Udo Bullmann weiß gut, wovon Rosenbaum spricht. Er selbst war als Reiniger tätig: „Es war die beschissenste Arbeit meines Lebens.“ Er wolle sich deshalb im EU-Parlament für ein Vergaberecht einsetzen, das schlechten Praktiken einen Riegel vorschiebt. „Es geht um das Auskommen und die Würde der Arbeit“, sagte Bullmann.

In Frankfurt arbeiten mehr als 20.000 Reiniger, allein am Flughafen sind 4000 beschäftigt. Meist sind die Reiniger „unsichtbar“: Wenn sie ihre Arbeit verrichten, haben andere längst Feierabend oder schlafen noch. Dabei erwirtschaften die Gebäudereiniger zunehmend hohe Erträge. „Es kann aber nicht sein, dass es den Unternehmen nur noch um Gewinnmaximierung geht“, kritisierte Rosenbaum. „Die Branche steuert auf einen Konflikt zu“, stellte Bullmann fest. Deshalb riet Rosenbaum: „Lasst eure Verträge von Fachleuten überprüfen, bevor ihr unterschreibt.“

Die IG Bau will in erster Linie am Verhandlungstisch ein Ergebnis erzielen. „Aber wenn das nicht gelingt, bereiten wir uns auch auf einen Arbeitskampf vor“, betonte der Gewerkschafter. Die Arbeitgeber sollten die Würde der Reiniger nicht unterschätzen, warnte er. Wenn jemand im Drei-Schicht-Betrieb arbeitet und dann noch aufstocken müsse, sei das unwürdig. Gerade bei Minijobs verdichte sich die Arbeit immer stärker.

Bullmann unterstrich sein Interesse an der Branche und bemerkte: „Es gibt auch andere, bessere Arbeitgeber, nicht alle sehen nur mehr Gewinne als Ziel.“ Verhandlungen seien immer besser als Streiks. Er wolle sich für die Reiniger einsetzen, ganz unabhängig von seiner Wahl. „Ich begleite euch gerne“, sagte er. Rosenbaum fügte hinzu: „Wenn ein Politiker zu den Menschen steht, die Gebäude reinigen, finde ich das gut – egal, welcher Partei er angehört.“

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