Schreckgespenst Borkenkäfer

Stadtwald leidet unter Trockenheit

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Der Blick nach oben zeigt allen die Schäden an den Bäumen: Vera Holland (von links), Institut für Ökologie der Uni Frankfurt, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, Peter Rodenfels vom Grünflächenamt und Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts.

Schwanheim (zmo) – Landwirtschaft, Gärtnereien und Kleingärtner leiden schon lange unter der extremen Trockenheit. Sie haben aber immerhin noch die Möglichkeiten, ihr Obst und Gemüse bewässern zu können damit die gewünschten Ernten nicht völlig ausfallen. Im Stadtwald ist das kaum möglich.

Mit 5000 Hektar Fläche ist er bundesweit der größte innerstädtische Forst, dem nur ein mehrere Wochen anhaltender Regen helfen könnte. „Es ist ein erregender, dramatischer Zustand, den wir hier erleben. Das, was bislang an Niederschlag herunterkam, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der zur Erholung der Bäume im Wald nicht ausreichen ist“, sagte Rosemarie Heilig, Dezernentin für Umwelt und Frauen, bei einem Rundgang durch den Stadtwald in Schwanheim: „Es zeichnete sich schon im Frühjahr ab, als bei den Buchen und Eichen der Laubaustrieb ausblieb. Dazu kam, dass es auch in den Wintermonaten nicht mehr so geregnet hat, wie in den Jahren zuvor. Es sind besorgniserregende Ereignisse, die viele von uns noch nie erlebt haben.“

„Der Wassermangel nimmt beängstigende Formen an. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung hat ermittelt, dass im Stadtwald in einer Bodentiefe von bis zu 180 Zentimetern extreme Trockenheit herrscht, die vor allen Dingen die Borkenkäferpopulationen begünstigt. Durch den Wassermangel ist zu befürchten, dass immer mehr Bäume sterben“, erklärte Peter Rodenfels vom Grünflächenamt und ergänzte, „dass der Stadt damit ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor verloren geht, da das kranke Holz kaum verwendet werden kann.“ Hilfe könnte aus dem Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Uni kommen. Dort machen sich Wissenschaftler Gedanken, was gegen die klimatischen Veränderungen und das Baumsterben zu tun ist. Ihr Projekt nennt sich „South Hesse Oak Project“, dass es seit 2011 gibt.

Ein Team sucht nach alternativen Bäumen, die für einen möglichen Waldumbau wegen des Klimawandels infrage kommen. „Allerdings werden diese Möglichkeiten nicht so schnell umgesetzt werden können, da dürfte der Klimawandel schneller sein. Dennoch müssen wir schon heute die Pflanzungen vornehmen, soll es in 100 Jahren noch einen Wald geben“, sagt Vera Holland vom Institut für Ökologie. „Es gibt eine Menge Eichenarten aus südlichen Regionen, die für unser jetziges Klima geeignet sind. Wie haben eine Reihe von Testpflanzungen im Stadtwald vorgenommen, alle mit recht zufriedenstellenden Ergebnissen“, sagt die Biologin weiter.

Zu den Sorten gehören mediterrane Arten, die ungarische, die Kork- oder die Stein- und Flaumeiche. Sie haben starke Blätter, kommen mit wenig Wasser aus und halten längeren Dürreperioden stand.

Das Grünflächenamt demonstrierte zum Ende der Waldbegehung noch den Ernst der Lage, indem sie eine 25 Meter hohe Kiefer, die seit 60 Jahren im Stadtwald stand und nun von Trockenheit und Borkenkäfer beschädigt, in wenigen Sekunden der Kettensäge zum Opfer fiel. Hunderte sollen folgen.

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