Gitarren-Klänge im Klärwerk

Viele Besucher beim „Wilden Sonntag“

+
Musik und Geschichte stand auf dem Plan bei der Veranstaltung in der Kläranlage Niederrad. Fotos: Mohr

Niederrad (zmo) – Der Besuch im Historischen Klärwerk Niederrad war Teil der Veranstaltung „Der Wilde Sonntag“. Von Ende Juni bis 4. August lädt die Dezernentin für Umwelt und Frauen, Rosemarie Heilig, an sechs Sonntagen Frankfurter Bürger an Orte ein, die einen besonderen Bezug zum Wasser haben.

Heike Matthießen, eine überragende Gitarristin für klassische Musik.

„Mit dem Klärwerk aus dem Jahr 1883 haben wir sicherlich eines der schönsten Industriedenkmäler hier in Frankfurt“, sagte die Dezernentin bei der Begrüßung. „Wir wollen heute aber nicht nur durch das Klärwerk führen, sondern auch einen musikalischen Bezug herstellen. Eingeladen haben wir dazu die klassische Gitarristin Heike Matthießen, die uns auf eine Reise von Niederrad in die spanische Alhambra mitnehmen wird.“ Die Idee, in dem alten Klärwerk, mit der fantastischen Akustik und dem Geist des 19. Jahrhunderts, ein Konzert stattfinden zu lassen, kam gut an. In Kürze waren die 80 Plätze in der Katakombe vergeben. Heike Matthießen gehört zu den führenden deutschen Gitarristinnen und wird immer wieder für ihre Virtuosität und Spielfreude in Kombination mit charismatischer Bühnenpräsenz gelobt. Sowohl bei den Salzburger Festspielen, als auch im Leipziger Gewandhaus hatte die Gitarristin bisher Auftritte.

In Niederrad erlebten die Zuhörer ihre besondere Affinität zu Spanien. Leitmotiv ist die legendäre Alhambra in Granada. Das magische Bauwerk inspirierte zahlreiche Musiker zu facettenreichen Kompositionen, die die ganze Klangschönheit der Gitarre ausdrücken, romantische Melodien, übersprudelnde Virtuosität und die Inspiration durch Flamenco. Warum die Alhambra eine Menge mit Wasser zu tun hat, erklärte die Gitarristin zwischen den Stücken. „Unterirdische Wasser-Reservoirs, angelegt vor Jahrhunderten, versorgen die wunderschönen Gärten des Weltkulturerbes. Ohne dieses heute nicht mehr nachzubauende Bewässerungssystem, wäre der Ort auf der Landkarte verschwunden“ so die Musikerin, die mit drei sehr emotionalen Erinnerungen an die Alhambra ihr Konzert beendete. Sie bekam lang anhaltenden Applaus, für den sie sich mit drei Zugaben bedankte.

Immer gut gepflegt und gewartet: Die Kläranlage sieht heute noch aus wie vor mehr als 120 Jahren.

Ein bisschen abrupt ging es mit dem Geschichtsunterricht weiter. Nachdem es durch Cholera und Typhus im 19. Jahrhundert in Nordwesteuropa hunderttausende Tote gab, wurde auch in Frankfurt über eine verbesserte Hygiene nachgedacht. 1867 begann man mit dem Ausbau eines Kanalnetzes. Nachdem die Behörden dann auch Wasserklosetts zugelassen wurden, erhöhte sich die Abwassermenge und die Geruchsbelästigung dramatisch. Frankfurt entschied sich nun zum Bau einer Klärbeckenanlage in Niederrad. Sie war die erste und größte dieser Art im Reichsgebiet. Heute ist die Anlage ein Labor des Umweltamtes der Stadt Frankfurt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare