Von gemeinschaftlichen Wohnformen profitieren viele

Sozial, solidarisch und ökologisch zusammenwohnen

Vor wenigen Tagen hat das Wohnprojekt „BeTrifft“ in der Niederräder Triftstraße sein Baustellenfest gefeiert. Die Altersspanne der zukünftigen Bewohner reicht von wenigen Wochen bis über achtzig Jahre. Foto: Stadt Frankfurt/RainerRueffer/nh

Niederrad (red) – Die Nachfrage nach selbst organisierten, gemeinschaftlichen und innovativen Wohnformen in Frankfurt steigt seit einigen Jahren. Bereits 2006 beschloss das Stadtparlament, entsprechende Projekte zu fördern.

Doch für Interessierte war es schwer, an geeignete Liegenschaften zu kommen. Seitdem die Kommune den städtischen Liegenschaftsfonds aufgelegt hat und wieder Neubaugebiete ausweist, nimmt das Thema zusätzlich Fahrt auf – zum Vorteil der Menschen in den Wohnprojekten, aber auch deren Nachbarn. „Immer mehr Menschen erkennen, welche Vorteile gemeinschaftliche Wohnprojekte für sich und die Stadt bieten. Daher nimmt das Thema einen steigenden Stellenwert ein“, sagt Planungsdezernent Mike Josef.

Seit Inkrafttreten des Beschlusses wurden 180 Wohnungen für gemeinschaftliche Projekte realisiert; in den kommenden fünf Jahren sollen weitere 1000 hinzukommen. „Wir können auf diesem Weg aktiv Stadtteilentwicklung betreiben“, erklärt Planungsdezernent Josef.

„Wichtig ist uns, dass das Erdgeschoss für das gemeinschaftliche Zusammenleben zur Verfügung steht“, sagt Beate Steinbach, die sich im Amt für Wohnungswesen und der eigens dafür eingerichteten Koordinierungsstelle „Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen“ um das Thema kümmert. Wie das aussehen kann, zeigt etwa das Wohnprojekt „BeTrifft“ in der Niederräder Triftstraße. Die Wohngeno-Genossenschaft für gemeinschaftliches Wohnen baut auf dem 2630 Quadratmeter großen Grundstück 51 Wohnungen für insgesamt 110 Personen. Deren Größe variiert zwischen 28 bis 126 Quadratmetern Fläche. Im Erdgeschoss sollen unter anderem ein Werkatelier und ein Gemeinschaftsraum entstehen, erläutert Anne Lamberjohann vom Vorstand der Genossenschaft. „Für den gibt es schon Anmeldungen vom Ortsbeirat“, freut sie sich. Die Suchtselbsthilfegruppe „Die Fleckenbühler“, interessiere sich, ein Café und einen Laden für Bioprodukte in dem Haus zu betreiben. Zusätzlich soll ein Kulturverein mehr Leben in den Stadtteil bringen. Wer einziehen will, musste Mitglied der Genossenschaft werden. Pro Quadratmeter Wohnfläche war ein Anteil von jeweils 500 Euro zu erwerben. Über diesen Weg und andere Formen der Unterstützung sind 2,5 Millionen Euro zusammengekommen, erläutert Ludwig Vogl-Bienek, von der Öffentlichkeits-Arbeitsgruppe. Das Projekt hat eine Investitionssumme von 13 Millionen Euro. Die Nutzungsentgelte der frei finanzierten Wohnungen – es gibt in dem Gebäude auch solche des ersten und zweiten Förderweges– sollen die ortsübliche Vergleichsmiete für Neubauwohnungen nicht übersteigen.

Vor wenigen Tagen hat „BeTrifft“ sein Baustellenfest gefeiert. Junge Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen waren in das Erdgeschoss des Rohbaus gekommen. Die Altersspanne der zukünftigen Bewohner reicht von wenigen Wochen bis über achtzig Jahre. Sie alle werden im kommenden Jahr einziehen. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Der Rohbau muss fertig werden, Innenausbau und Haustechnik einschließlich Fotovoltaik stehen an, dazu wollen Fassaden und Dächer begrünt werden sowie die Lastenfahrräder für den gemeinschaftlichen Fuhrpark beschafft sein. „Der Anspruch, sozial, solidarisch und ökologisch zusammen zu wohnen, zeichnet diese Projekte aus. Ein Aspekt, der bei Planungen in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurde“, erklärt Stadtrat Josef. Auch aus diesem Grund verpflichtet die Kommune Entwickler wie etwa bei den Günthersburghöfen im Nordend, mit städtebaulichen Verträgen, Platz für gemeinschaftliches Wohnen vorzusehen.

Wer mehr über gemeinschaftliches Wohnen erfahren will, kann sich unter www.gemeinschaftliches-wohnen.de informieren.

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