Was Fluggäste wissen sollten

Rechte bei Verspätungen und Annullierungen

Flughafen (red ) ) )) – Immer mehr Menschen fliegen – ob in den Strandurlaub, für einen Städtetrip oder zum wichtigen Geschäftstermin. Entsprechend hoch ist das Flugaufkommen, Flugausfälle und -verspätungen sind keine Seltenheit.

Welche Rechte Flugreisende dann haben, weiß Michaela Rassat, Juristin der D. A. S. -Rechtsschutz Leistungs-GmbH: Innerhalb Europas genießen Fluggäste große Rechtssicherheit – unabhängig davon, ob es sich um eine Pauschal- oder Individualreise handelt. Ihre Rechte sind in der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 geregelt. „Hier steht, welche Ausgleichs- und Versorgungsleistungen Passagieren bei Verspätungen, Nichtbeförderungen oder Annullierungen von Flügen zustehen“, sagt Rassat. Diese Verordnung gilt für alle Flüge, die entweder in der Europäischen Union (EU) starten oder von einer EU-Fluggesellschaft veranstaltet werden und einen EU-Flughafen zum Ziel haben.

Die Verordnung gilt aufgrund entsprechender Verträge auch in Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz. Gelten die EU-Fluggastrechte nicht, greifen andere Regelungen. Denn zahlreiche weitere Staaten haben ähnliche Fluggastrechte. Zudem sind im sogenannten Montrealer Übereinkommen Mindeststandards für Passagierrechte festgelegt, wie etwa Schadenersatzansprüche bei Verspätungen oder Personenschäden. Welche Länder dieses Übereinkommen unterzeichnet haben, finden Reisende auf der Seite der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO).

Im letzten Moment noch den Sicherheitscheck geschafft und dann verzögert sich der Abflug: „In vielen Fällen haben Betroffene nach der EU-Verordnung Anspruch auf Entschädigung, Verpflegung und Betreuung“, so die D.A.S- Expertin. Ab zwei Stunden Verspätung steht Betroffenen etwa bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Verpflegung zu und die Möglichkeit, zwei Telefonate zu führen oder zwei E-Mails zu schreiben. Passagiere können zusätzlich ab einer Verspätung von drei Stunden von der Fluggesellschaft eine Entschädigung verlangen. Wie hoch die Zahlung ausfällt, ist abhängig von der Länge der Flugstrecke: Bis zu 1500 Kilometer, etwa für die Strecke Berlin/Rom, gibt es 250 Euro. Bei Flügen über 1500 Kilometer innerhalb der EU, etwa Berlin/Lissabon, und bei allen anderen Flügen zwischen 1500 und 3500 Kilometern werden 400 Euro fällig. Bei allen weiteren Flügen 600 Euro. Dabei spielt es keine Rolle, wie teuer der Flug war. Ab fünf Stunden Verspätung dürfen Reisende vom Beförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen. Verschiebt sich der Abflug auf den nächsten Tag, gibt es eine Hotelübernachtung sowie den Transfer.

Wird der Flug von der Airline gestrichen, können sich Betroffene den Ticketpreis erstatten oder sich von ihrer Airline auf einen anderen Flug umbuchen lassen. Ansonsten ist eine zusätzliche Ausgleichszahlung möglich, die sich nach der Länge der Flugstrecke richtet und genauso gestaffelt ist wie bei einer Flugverspätung. Keinen Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung haben die Passagiere nach der EU-Fluggastverordnung, wenn die Fluggesellschaft mindestens zwei Wochen vorher über den Flugausfall informiert oder die Benachrichtigung sieben bis 14 Tage vor Abflug und der Alternativflug maximal zwei Stunden früher startet beziehungsweise maximal vier Stunden später am Ziel ankommt. Auch, wenn die Benachrichtigung weniger als sieben Tage vor Abflug und der Alternativflug maximal eine Stunde früher erfolgt beziehungsweise maximal zwei Stunden später am Ziel ankommt.

Laut Rassat müssen Airlines allerdings nicht zahlen, wenn die Annullierung oder Verspätung aufgrund außergewöhnlicher Umstände wie Streiks, schwerer Unwetter oder Naturkatastrophen erfolgt. Im Gegensatz zur EU-Fluggastverordnung sieht das Montrealer Übereinkommen sowohl für Verspätungen als auch für Annullierungen keine pauschalen Entschädigungen vor. Hier müssen Passagiere Schäden im Einzelfall nachweisen.

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