Viele Anregungen auf dem Tisch

Fluglärm: Nördlichere Route könnte entlasten

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Das Podium: Thomas Jühe (von links), Christoph Brunn, Bianca Fehlinger, Michael Charalambis und Christoph Ewen.

Kelsterbach/Flughafen (jf) – Ende 2018 wurden die Gespräche mit 30 zufällig ausgewählten Bürgern der betroffenen Region in Darmstadt, Erzhausen, Mörfelden-Walldorf und Weiterstadt und politischen Vertretern aus den Kommunen abgeschlossen.

„Es ging kurz gesagt um Flugrouten im Spannungsfeld zwischen Ablehnung und Akzeptanz. Es ging um Verständnis und Transparenz, nicht jedoch um Entscheidungen“, erklärte Thomas Jühe, Vorsitzender der Fluglärmkommission (FLK). Diese Kommission und das Forum Flughafen und Region (FFR) hatten die erste bundesweite Öffentlichkeitsbeteiligung zur Ermittlung neuer Flugrouten mit weniger Lärmbelastung ins Leben gerufen und stellten nun die Ergebnisse der Konsultationen im Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) in Kelsterbach vor. Jühe schätzte die drei Samstagsklausuren mit den 30 Bürgern sowie zwei Besuche der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen und am Flughafen Frankfurt und die vier Sitzungen sowie einen Expertenworkshop mit den politischen Vertretern als Erfolg ein: „Dank des qualifizierten Mitwirkens aller Beteiligten sind zu den von uns unterbreiteten vier Varianten der Abflugstrecke Amtix-kurz weitere Vorschläge hinzugekommen.“

Grundsätzlich ging es darum, Darmstadt-Arheiligen und Kranichstein, die in der jetzigen Flugroute liegen, zu entlasten. Gegenwärtig sind dort 12.500 Menschen vom Fluglärm betroffen. Würde die Route nach Norden verlagert, könnte das zu einer Entlastung von 4300 Bürgern führen. Allerdings würde diese Route auch zu neuen Belastungen von Bürgern in Erzhausen und Wixhausen führen. Christoph Ewen, Leiter des Moderatorenteams, nannte die Beteiligung der Bürger „beeindruckend“. Auch Christoph Brunn vom Öko-Institut lobte das Verfahren: „Wir haben acht bis neun Varianten, die Kriterien wurden debattiert und abgewogen.“

Eine sachliche Diskussion

Bianca Fehlinger aus Mörfelden, mit 35 Jahren die jüngste Teilnehmerin an den Klausuren der Bürger, urteilte: „Ich war positiv überrascht von der sachlichen Diskussion.“ Gerade beim Thema Fluglärm kann es schnell zu aggressiven Gesprächen führen – das sei nie der Fall gewesen. Dennoch bleibe die Frage, ob Lärm verlagert werden dürfe, offen. An dieser Stelle kamen weitere Aspekte wie Streuung statt Bündelung der Flugrouten oder Steilstart in die Diskussion auf, wurden aber nicht weiter verfolgt, da sie vom Thema abwichen. „Die Bemühungen, Darmstadt-Nord von Fluglärm zu entlasten, sind zehn Jahre alt. Man wird etwas machen müssen“, unterstrich Jühe. Die Kommunen äußerten sich unterschiedlich.

Die durch eine Verlegung nach Norden stärker betroffenen Kommunen Egelsbach, Erzhausen und Messel sehen das kritisch: „Eine reine Umverteilung der Lasten kann nicht die Lösung für die Lärmproblematik sein.“ Darmstadt, Büttelborn und Weiterstadt empfehlen hingegen eine Verschiebung der Flugroute Amtix-kurz. Weitere Berechnungen sind notwendig, dann beraten FFR und FLK die Ergebnisse und Resultate der Öffentlichkeitsbeteiligung. Bis Sommer soll eine Empfehlung erarbeitet und an die DFS weitergegeben werden. Diese benötigt dann etwa zwölf Monate für das Genehmigungsverfahren.

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