Stadtteilhistoriker Richard Sturm hält Rennbahn-Vortrag im Heimatmuseum

Als es noch 29 Renntage im Jahr gab

Das Sarotti-Häuschen: Für viele Niederräder ein Stück Heimat und Erinnerung. Foto: p

Niederrad (red) – Schon lange ist es her, dass die Niederräder Galopprennbahn ein Anziehungsmagnet für viele Besucher war. Nachdem die Tribüne und Ställe bei einem großen Angriff am 22. März 1944 zerstört worden waren, musste die Rennbahn nach dem Krieg neu aufgebaut werden.

Niederrad schaffte es jedoch, dass bereits 1949 insgesamt 29 Renntage stattfanden: Eine Zahl, die danach nie mehr erreicht worden ist. Allerdings auch absichtlich, denn ungefähr 20 Renntage pro Jahr, auch Hindernisrennen, waren genug und nicht zu viel. Die Attraktivität der Rennen war riesig, die Besucher strömten und wetteten. Das war auch 1982 noch so, als die neue Tribüne für zwölf Millionen deutsche Mark erbaut wurde. Dort gab es 1500 Sitzplätze. All das erzählte jüngst der Stadtteilhistoriker Richard Sturm im Heimatmuseum Niederrad.

Durch weitere Wettmethoden außerhalb der Rennbahn kam das Wetten in Niederrad immer mehr aus der Mode. Die Betreiber der Rennbahn gerieten in Schieflage. 2013 wurde noch eine 150-Jahr-Feier organisiert, jedoch hatte die Stadt Frankfurt das Gelände dem deutschen Fußballbund schon 2014 angeboten, um dort eine Akademie zu errichten. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit Bürgerentscheid wurde in diesem Jahr der Grundstein für die neuen DFB-Gebäude gelegt.

2021 soll alles fertig sein, auch ein Bürgerpark mit fast zehn Hektar Fläche. Nicht ganz so schnell wurde das Hotel auf dem Rennbahngelände errichtet. Nach zwölf Jahren Bauzeit soll es endlich 2020 eröffnet werden. Erhalten bleibt von der ehemaligen Rennbahn nur das Eingangsportal in der Schwarzwaldstraße. Es wurde 1865 erbaut und 2011 restauriert. Verschwunden ist hingegen das Sarotti-Häuschen. Dort, wo einst die bekannte Schokolade gelagert wurde und von dort aus mit Bauchläden bei den Rennbesuchern verkauft wurde, ist nur noch eine kahle Fläche. Es wurde abgebaut und an einen unbekannten Ort gebracht. Ob die Niederräder jemals erfahren, wo jetzt dieses niedliche Häuschen zu sehen ist? Vielleicht wird es ja in der Broschüre stehen, die Richard Sturm veröffentlichen will.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare