Programm von Rainer Schmidt

Kabarett ohne „Däumchen drehen“

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Rainer Schmidt mit einem Bild seines Daumens.

Niederrad (zlu) – Keine Hände, keine Langeweile, so das Lebensmotto von Rainer Schmidt. Und auch sein Kabarett „Däumchen drehen”, mit dem er am Wochenende im Gemeindezentrum der Evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad aufgetreten ist, steht darunter.

Geboren ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel weiß der Pfarrer, Buchautor und mehrfache Paralympics-Gewinner um die Skurrilitäten eines Lebens mit Einschränkung und Hindernissen. Was er auch weiß ist, wie man ihnen mit Humor begegnet: „Ich musste einfach auf die Bühne. Im Publikum habe ich mich noch nie gut gemacht. Der Applaus gehört nun mal nicht gerade zu meinen Stärken.”

Als ihn dann vor etwa sieben Jahren ein Zuhörer nach einem Fachvortrag auf sein auffallend kabarettistisches Talent ansprach, war die Idee geboren. Mit viel Witz und Ironie erarbeitete er ein abendfüllendes Programm. Spitzzüngig und pointiert berichtet er darin von seinen Erfahrungen und Erlebnissen als Behinderter. In einer Gesellschaft, die ihm täglich voller Vorurteile gegenübertritt und in der er es geschafft hat, sich besser als manch Unversehrter zu behaupten, gibt es einiges zu erzählen. Authentisch und natürlich erzählt er vom Glück und Pech des Außergewöhnlichseins, von Mitleid und Ablehnung aber auch von Hilfsbereitschaft, Familie, Beziehungen und Freundschaft. Denn die Dazugehörigkeit ist für ihn das Wesentliche, was einen Menschen ausmacht und nicht zuletzt, wie er sich selbst im Leben einbringt und seine Defizite kompensiert: „Mich macht nicht aus, was mir fehlt, sondern was ich habe.”

Schmidt trägt eine Orthoprothese und nutzt diverse Hilfsmittel, die es ihm möglich machen ein Leben völlig ohne Assistenten, wie er es nennt, zu führen. Sein wichtigstes Hilfsmittel dabei ist ein kleiner Daumen am linken Oberarm, den er besonders gern zum Bestandteil seiner selbstironischen Anekdoten macht. Der Rheinländer versteht es nicht nur, sein Publikum einzubinden und es mit auf die Reise in seine Welt zu nehmen, die nicht immer nur zum Schreien komisch ist. Er versteht es vor allem, dabei die Berührungsängste seiner Mitmenschen abzubauen. Dabei strahlt er viel Lebensfreude aus. Wer es nicht zu einem seiner Kabarett-Abende schafft, kann auch auf eines seiner Bücher zurückgreifen, wie zum Beispiel „Lieber Arm ab als arm dran“.

Der ausgebildete Notfallseelsorger hat am Ende bei seinen Zuschauern das tiefe Bewusstsein hinterlassen, dass alles im Leben möglich ist – dass jedem Menschen alle Türen offen stehen und es lediglich darauf ankommt, was man aus dem Leben macht. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Behinderung und einem armseligen Leben”, sagt er und entlässt die Zuschauer in die Nacht. Sein Fazit: „Ein Mensch ohne Macke ist Kacke”. Das Fazit des Publikums: „Daumen hoch für Rainer Schmidt!”

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