Deutsche Umwelthilfe überreicht Negativpreis für unökologische Einweg-Plastikflaschen

Goldener Geier 2019 geht an Firma Nestlé

Die Deutsche Umwelthilfe überreicht den „Goldenen Geier“ an Nestlé für unökologische Einweg-Flaschen. Foto: p

Niederrad/Schwanheim (red) – Mit der Nestlé Deutschland AG wurde nun erstmals ein Unternehmen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit dem Negativpreis „Goldener Geier“ ausgezeichnet. Mehr als 20. 000 Verbraucher haben bei der Wahl für den „Goldenen Geier“ abgestimmt.

Von insgesamt sechs nominierten Plastikverpackungen wurde das aus Frankreich importierte und mehrfach in Einweg-Kunststoff verpackte Mineralwasser Vittel von Nestlé zur unsinnigsten Verpackung des Jahres gewählt.

Bei der Übergabe des „Goldenen Geiers“ vor der Konzernzentrale von Nestlé in Frankfurt blieb Vorstandschef Marc-Aurel Boersch fern und schickte dafür Marc Honold, Geschäftsführer von Nestlé Waters Deutschland, vor. Vorstandschef und Unternehmensentscheider Boersch bringe damit zum Ausdruck, dass er den Wunsch der Verbraucher nach weniger Plastikmüll nicht ausreichend ernst nimmt, ist die DUH überzeugt und fordert Nestlé auf, dem Ansinnen der Bürger nachzukommen, und den Plastikflaschen-Irrsinn zu beenden. Getränke sollten zukünftig in wiederverwendbaren Mehrwegflaschen abgefüllt und auf kurze Transportwege geachtet werden.

„Dass der Goldene Geier nicht persönlich vom Nestlé-Vorstandschef Marc-Aurel Boersch entgegengenommen wurde, zeigt, wie wenig sich der Konzern wirklich für Umweltschutz und die Interessen der Verbraucher interessiert. Das spiegelt sich auch im Angebot des französischen Mineralwassers Vittel in Einweg-Plastikflaschen wieder. Die Einwegflaschen bestehen noch immer zu 65 Prozent aus Rohöl. Wenig Wasser in viel Verpackung, der Achter-Pack noch mal mit Schrumpffolie umwickelt und dazu lange Transportwege von Frankreich nach Deutschland. Das ist ökologischer Wahnsinn. Deshalb hat Nestlé den Goldenen Geier für die unsinnigste Plastikverpackung des Jahres auch verdient“, sagte die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz, anlässlich der persönlichen Preisübergabe in Frankfurt.

Einweg-Plastikflaschen sind umweltschädigend, weil sie für jeden Abfüllprozess energie- und ressourcenintensiv neu hergestellt werden müssen. Durch die besonders kleine Füllgröße des ausgewählten Vittel-Wassers von nur 0,33 Liter verschlechtert sich das Verhältnis des eingesetzten Verpackungsmaterials zum Füllgut. Je kleiner die Füllgröße, desto überproportional mehr Verpackungsmaterial muss eingesetzt werden.

Der Einsatz von Recyclingmaterial kann die Umweltauswirkungen von Einwegflaschen, wenn überhaupt nur verringern, jedoch nicht kompensieren. Beim Recyclingprozess alter Plastikflaschen wird durch aufwendige Reinigungs-, Verarbeitungs- und Veredelungsprozesse der Kunststoff bis zu vier Mal aufgeschmolzen, was viel Energie kostet. Das Spülen von Mehrwegflaschen ist umweltfreundlicher und ressourcenschonender als die Neuproduktion von Einweg-Plastikflaschen.

„Die Einweg-Plastikflaschen von Nestlé sind das Symbol einer exzessiven und ressourcenvergeudenden Wegwerfkultur. Die bisherige Abfallpolitik von Umweltministerin Svenja Schulze ist gescheitert, weil sie industriefreundlich ist und keine ausreichenden ökonomischen Anreize setzt Abfälle zu vermeiden, Verpackungen wiederzuverwenden und sparsam mit Ressourcen umzugehen“, kritisiert Metz. Anders sei es nicht zu erklären, warum 63 Prozent des Obstes und Gemüses in Plastik und Pappe vorverpackt wird, Deutschland beim Anfall von Verpackungsmüll Europameister ist und sich der Verbrauch von Plastikverpackungen pro Kopf und Jahr von 19 Kilo 1995 auf heute 37 Kilo fast verdoppelt hat. Die Vielzahl von Verbrauchern gemeldeten und für den Goldenen Geier nominierten Einweg-Plastikverpackungen sprächen eine eindeutige Sprache.

„Umweltministerin Svenja Schulze muss der unnötigen Abfallflut endlich wirksame gesetzliche Regelungen entgegenstellen. Appelle an Unternehmen und freiwillige Selbstverpflichtungen werden die Abfallberge nicht schrumpfen lassen. Deshalb ist die Einführung eines verbindlichen Ziels zur Halbierung des Verpackungsmülls auf 120 Kilo pro Kopf und Jahr bis 2030 notwendig. Die gesetzliche Mehrwegquote für Getränkeverpackungen von 70 Prozent muss konsequent umgesetzt werden, notfalls auch mit Sanktionen, wie der Einführung einer Abgabe auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen von 20 Cent zusätzlich zum Pfand. Gleichzeitig muss der Einsatz von Plastik deutlich teurer gemacht werden, etwa durch eine deutliche Erhöhung der Lizenzentgelte oder die Einführung einer Ressourcensteuer“, fordert Metz.

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