Archiv Frau und Musik

Zeilen von Clara Schumann und ein Video

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Elisabeth Brendel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Archivs, zeigt die Noten der Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“.

Niederrad (jf) – Die Spur komponierender Frauen zieht sich von der Griechin Sappho (um 630 bis 570 vor Christus) bis in die Gegenwart. Viele Namen listet das Archiv Frau und Musik auf. Die meisten sind unbekannt.

„Genau das ist auch unser Problem“, sagte Mary Ellen Kitchens, Leiterin des Online-Projektes, „Frauen in der Musik werden zu wenig wahrgenommen.“. Im September ging das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) online, das Archiv Frau und Musik ist ein Teilprojekt davon. Anne-Marie Bernhard, die das Musik-Projekt koordiniert hat, nannte Kriterien für die Digitalisierung von Objekten: „Es ging um interessante, repräsentative, fragile oder gefährdete Materialien. Dazu mussten auch die Rechte geklärt und erläuternde Texte verfasst werden.“ Hinter dem digitalisierten Archiv steckt die Idee, Schaufenster auf die Geschichte der Frauen in der Musik zu gestalten.

Das 1979 von einem Kreis um Elke Mascha Blankenburg zunächst in Köln als Privatinitiative gegründete Archiv Frau und Musik beherbergt heute auf 100 Quadratmetern über 25 000 Medieneinheiten. Das sind etwa 3500 Tonträger, historische Konzertplakate, über 40 Nachlässe – darunter Autografen von Clara Schumann; Literatur, Bildmaterial, Dissertationen, Abschlussarbeiten und Noten von mehr als 1800 Komponistinnen und Dirigentinnen aus 52 Nationen vom neunten bis ins 21. Jahrhundert. Stück für Stück sollen die Bestände digitalisiert werden. Seit 2001 befindet sich das Archiv in Frankfurt, seit 2007 hat es sein Domizil in Hoffmanns Höfen.

„Auch Videos wird es künftig geben, erste Aufnahmen sind gerade entstanden“, erläuterte Kitchens. Mit Kamerafrau Meggie George besuchte sie kürzlich die in München lebende und aus den USA stammende Komponistin Gloria Coates. „Nach dem Gespräch wäre ich am liebsten auf die Straße gegangen und hätte die weibliche Revolution ausgerufen“, fügte George hinzu. Coates gehört zu den engagierten Musikerinnen, die sich seit Jahren für mehr Sichtbarkeit von komponierenden und dirigierenden Frauen einsetzen.

„Die Musik ist ein Laboratorium der Frauenbewegung“, sagte Birgit Kiupel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Geschäftsstelle Digitales Deutsches Frauenarchiv, „es geht darum, die Errungenschaften zu dokumentieren und zu sichern. Und natürlich wollen wir auf die rund 40 Archive des Dachverbandes deutschsprachiger Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen (ida) aufmerksam machen.“

Das Archiv Frau und Musik sieht sich auch als Ansprechpartner für Konzerte und für Schulen. Im Oktober 2019 wird es sein 40-jähriges Jubiläum begehen. Ganz sicher auch mit von Frauen komponierter Musik.

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