Kampf für Menschlichkeit

Ein Platz für die Gingolds

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Sylvia und Alice, die Töchter der Gingolds (von links), Peter Walther und Anka Hätzel von der Gingold Erinnerungsinitiative.

Niederrad (zmo) – Peter Gingold und seine Frau Ettie gehörten zu den Menschen, die sich bis zu ihrem Tod für Menschlichkeit, Antisemitismus und Rassismus eingesetzt haben. Dafür erhielten sie von der Stadt Frankfurt die Johanna-Kirchner-Medaille.

Für die Unterstützer der „Peter Gingold Erinnerungsinitiative“ ist das nicht ausreichend. „Wir wollen eine nachhaltige Erinnerung – und das schon seit 2006, kurz nachdem Peter Gingold gestorben ist“, sagte Peter Walther, Sprecher der Initiative am Samstag. Es gab Diskussionen in den Stadtverordnetenversammlungen, prominente Frankfurter wie Ulli Nissen setzten sich für eine Ehrung ein.

In Niederrad, wo die Gingolds nach der Befreiung vom Faschismus 1945 lebten, entstand die Idee, den kleinen Platz an der Neuwiesenstraße/Ecke Reichsforststraße nach den Gingolds zu benennen. Peter, Sohn jüdischer Eltern, war Kommunist, was ihn zwang, kurz nach der Naziherrschaft nach Frankreich zu fliehen. Er schloss sich mit Ettie der Widerstandsbewegung Résistance an. Er entging jahrelanger Verfolgung und siedelte 1945 zurück nach Frankfurt, wo er im Verlag Chant Du Mont seinen Unterhalt mit dem Verkauf von Schallplatten verdiente und journalistisch für kommunistische und linksgerichtete Medien tätig war.

Politische Bedenken kamen wegen der Platzbenennung aus verschiedenen Richtungen, die diese blockierten. Das hielt die Initiative nicht davon ab, darauf zu drängen: Mit Veranstaltungen und unterstützenden Organisationen, wie DGB, Fritz Bauer Institut, Verdi, kirchlichen Initiativen, dem freien Schauspiel oder den Naturfreunden, denen Peter angehörte, glaubt man den nächsten Schritt gemacht zu haben.

Die symbolische Platzbenennung bedeutet, dass man die Ehrung durchsetzen will. Dazu kamen Unterstützer, Nachbarn, Ortsbeirat und Neugierige auf den Platz an der Reichsforststraße, wenige Schritte vom ehemaligen Wohnsitz der Gingolds entfernt. Verlesen wurden Grüße aus Frankreich von Beate und Serge Klarsfeld, mit denen die Gingolds befreundet waren. Mit Flaggen der kommunistischen Partei oder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Liedern und Ansprachen, auch von den Töchtern der Gingolds, erinnerte man an das Paar. Ein symbolisches Straßenschild, so hoffen die Befürworter, soll bald gegen ein offizielles ausgetauscht werden.

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