„Aus den 50er-Jahren in die Zukunft katapultiert“

Erstes DGNB-Gold-Quartier in Hessen

Enthüllten die Stele (von links): Wirtschaftsstaatssekretär Jens Deutschendorf, Christine Lemaitre, Vorstand DGNB, Monika Fontaine-Kretschmer, Nassauische Heimstätte, und OB Peter Feldmann. Foto: p

Niederrad (red) – Wie man aus einer schlichten Nachkriegssiedlung ein klimafreundliches Vorreiterprojekt macht, zeigt die Adolf-Miersch-Siedlung in Niederrad: Seit 2015 hat die Nassauische Heimstätte in der Adolf-Miersch-Straße und der Melibocusstraße 180 Wohneinheiten modernisiert und umgebaut.

25 Wohnungen wurden als Kopfbauten im Passivhaus-Standard im Neubau ergänzt. Heute leben die Mieter in modernen und energieeffizienten Gebäuden. Insgesamt hat der Konzern 26 Millionen Euro investiert. .

Im März erfolgte die Gold-Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Zur offiziellen Übergabe der Zertifikats-Plakette kamen am vergangenen Dienstag Gäste aus der Stadt- und Landespolitik ins Quartier.

Oberbürgermeister Peter Feldmann: „Frankfurt handelt: Bei neuen Baumaßnahmen wird eine Gesamtklimabilanz aufgestellt und neue Wohn- und Gewerbegebiete unter klimagerechten Zielen entwickelt. Soziale Stadt und klimagerechte Stadt denken wir zusammen. Darum werden wir das Heizkraftwerk West von Steinkohle auf klimaverträglicheres Erdgas bis Mitte 2020 umstellen und unsere VGF wird in Zukunft mit Ökostrom betrieben. Es ist gut, dass wir bei der Entwicklung hin zu einer klimagerechten Stadt die Nassauische Heimstätte an unserer Seite haben.“ Feldmann nannte die Zertifizierung einen wichtigen Impuls für die Stadt: „Wir sind stolz, dass das erste hessische Wohnquartier mit DGNB-Gold in Frankfurt liegt. Hier wurde ein sozial durchmischtes Quartier mit preiswertem Wohnraum aus den 50er-Jahren in die Zukunft katapultiert.“

„Ob die Energiewende gelingt, entscheidet sich auch in den heimischen vier Wänden“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jens Deutschendorf. „Über ein Viertel des hessischen Endenergieverbrauchs wenden wir für das Heizen unserer Wohnungen und die Warmwassererzeugung auf. Das lässt sich mit heutigen Mitteln drastisch reduzieren, und die Nassauische Heimstätte nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein.“ Deutschendorf wies darauf hin, dass sich das Unternehmen gegenüber dem Land verpflichtet hat, seinen gesamten Bestand bis 2050 klimaneutral zu machen, ohne die Mieter dabei über Gebühr zu belasten: „Eine vergleichbare Vereinbarung ist uns in Deutschland nicht bekannt, Hessen setzt damit bundesweit Maßstäbe.“

Monika Fontaine-Kretschmer, Geschäftsführerin der Nassauischen Heimstätte, hob hervor: „Mit der Zertifizierung der Adolf-Miersch-Siedlung haben wir so viel eigenes Know-how aufgebaut, dass wir diese Herangehensweise zukünftig bei jeder unserer Quartiersentwicklungen umsetzen werden. Elf Mitarbeiter haben wir zu DGNB-Consultants, drei zu Auditoren ausbilden lassen, um so unserem hohen Anspruch an die Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen. Wichtig war uns vor allem, dass mit der Adolf-Miersch-Siedlung zum ersten Mal in Deutschland ein Quartier für bezahlbares Wohnen und kein hochpreisiges Immobilienportfolio dem Kriterienkatalog der DGNB unterzogen wurde – und diesen Test haben wir mit Bravour bestanden.“

Auch zukünftig wolle das Unternehmen ausgewählte Quartiere nach dem DGNB-Standard zertifizieren lassen. Etwa das Schönhof-Viertel, das die Nassauische Heimstätte derzeit entwickle, so Fontaine-Kretschmer.

Bei der Umgestaltung der Adolf-Miersch-Siedlung ging es der Nassauischen Heimstätte nicht nur um eine energieeffiziente Bauweise. Auch die Qualität des öffentlichen Raums, das ausgewogene Verhältnis von freien und versiegelten Flächen sowie die Vielfalt der sozialen Aspekte im Viertel wurden berücksichtigt. So wurde beispielsweise das Urban-Gardening-Projekt „Essbare Siedlung“ umgesetzt und Kräutergärten, Beete und Sträucher für die Mieter angelegt. Im Projekt „Cubity“ testen zwölf Studierende innovative, energieeffiziente Wohnkonzepte.

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