Eine ganz besondere Trauung

Nach 40 Jahren noch einmal kirchlich geheiratet

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Ute und Walter Ponseck geben sich in der Mauritiuskirche in Schwanheim noch einmal das Jawort.

Schwanheim (red) – Eine außergewöhnliche Hochzeit ereignete sich am Freitag, 12. Juli, in der Mauritiuskirche in Schwanheim.

Schon seit Wochen huschte die Braut mit glänzenden Augen und breitem Lächeln durch die Reihen des Kirchenchores und der Bräutigam vermochte ebenso wenig, seine Vorfreude und Aufregung zu verbergen. Selbst die Chorproben wurden auf dieses Ereignis ausgerichtet – mit Sonderproben mitten in den Ferien. Und das für zwei pensionierte Lehrer. In relativ fortgeschrittenem Alter, in dem andere ihre Lebensplanung weitgehend abgeschlossen haben und eher den Ehejubiläen entgegensehen, gaben sich Ute und Walter Ponseck das Jawort im katholischen Schwanheimer Gotteshaus. Also Spätberufene: Auf den Tag genau 40 Jahre nach ihrer standesamtlichen Trauung im Römer.

Die Gestaltung der Trauung war musikalisch anspruchsvoll: Besucher und Teilnehmer der Veranstaltung wurden bereits vor Beginn beim Studieren des Ablaufzettels darauf vorbereitet. Kyrie und Gloria aus der „Messe breve No. 7“ von Charles Gounod, die der Kirchenchor von der Empore aus darbot. Begleitet wurde er mit der Orgel, die virtuos und lustvoll von Alexander Keidel bespielt wurde.

Sabina Vogel, eines der drei Kinder des Paares, das zwischen den Trauungen das Licht der Welt erblickte, sang die Kleine Orgelmesse von Joseph Haydn, Alexander Keidel präsentierte Orgelmusik von Mozart, KV 466, 2. Satz. Die junge Interimschorleiterin Franziska de Gilde, die mit dem Chor die Gounod-Messe einstudiert hatte, zeigte im Duett mit Sabina Vogel auch ihre gesanglichen Fertigkeiten.

Im Verlauf des Gottesdienstes bot der Kirchenchor noch zwei Lieder aus der lateinamerikanischen Messe „Missa Campesina“ dar, die wegen ihrer Dynamik und frohen Rhythmik sogar Spontanbeifall auslösten. Insbesondere die spanische Verwandtschaft des Bräutigams, die zu diesem besonderen Ereignis extra angereist war, zeigte sich von den Klängen der Musik hochentzückt und wähnte sich ob der sprachlichen wie musikalischen Leistung des Chores fast in heimatlichen Gefilden. Es waren musikalische Highlights, die den Anspruch des Brautpaars ausdrückten.

Pfarrer Rolf Kaifer, der mit seinen ministrierenden Helfern die Zeremonie leitete, ging in seiner Ansprache auf die Besonderheit dieser Feier ein und betonte, dass diese Eheschließung vor Gott und der Kirche denselben Stellenwert hat, wie jede andere „grüne“ Hochzeit. Was die beiden dazu bewogen hat, diese Zeremonie nach so langer Zeit nachzuholen, machten sie den Gottesdienstbesuchern in den Fürbitten klar.

„Wir haben im Kirchenchor eine neue Heimat gefunden und dadurch auch wieder zu Gott und der Kirche.“ Seinerzeit, also vor 40 Jahren, „waren sie den Moden einer von der 68-er-Generation bestimmten Zeit gefolgt“. Doch Moden vergehen – und so sind die Ponsecks nun ein weiteres Mal verheiratet worden.

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