Ein besonderer Ort

Weidenlabyrinth, gefährliche Flucht und glückliches Wiedersehen

Robert Lange, Stephanie König und Torsten Jens im Weidenlabyrinth.

Bonames (jf) – Die Idee, am Alten Flugplatz ein Weidenlabyrinth zu errichten, ist acht Jahre alt.

Stephanie König von der vor 15 Jahren gegründeten Naturschule Hessen hatte sie von einem Kongress aus den USA mitgebracht: „Ein Labyrinth ist eine gute Sache, nicht nur die Mitte der Anlage, sondern auf dem Weg auch seine eigene Mitte zu finden.“ Die Weidenansammlung am Rande des Alten Flugplatzes bot eine gute Voraussetzung für ein Labyrinth. Das Umweltamt der Stadt fand den Vorschlag interessant, und so wurde das Projekt 2011 in die Tat umgesetzt. Ein Jahr später machte sich Khaled Morad mit seiner Frau und zwei Töchtern auf den Weg von Damaskus nach – ja wohin eigentlich? Der Friseurmeister, der gut verdiente, ist Kurde und gehörte damit einer Minderheit in Syrien an, die immer stärker unterdrückt wurde. Die Angst um die Zukunft der Kinder wuchs. Also verließ die Familie ihre Heimat. Wie beschwerlich und gefährlich diese Flucht war, wird nun auf zwölf Tafeln im Labyrinth eindrucksvoll geschildert.

Als Khaled Morad 2015 zu den 320 Flüchtlingen gehörte, die am Alten Flugplatz untergebracht waren, hatte er den wahrscheinlich gefahrvollsten Weg seines Lebens hinter sich. Doch das Glück wurde erst perfekt, als Frau und Kinder Monate später nachkommen konnten. Sie waren zunächst in der Türkei zurückgeblieben. Es war damals völlig ungewiss, ob der syrische Kurde die Flucht überhaupt überstehen würde.

Khaled Morad half beim Ausbessern des Labyrinths mit, kam mit Stephanie König und Torsten Jens ins Gespräch – die Naturschule befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Unterkunft. Der Austausch war zunächst schwierig, inzwischen sprechen Khaled und seine Frau Deutsch.

„Für uns wurden am Alten Flugplatz die persönlichen Geschichten greifbar“, sagte König. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig nickte. „Und der Weg durch das Labyrinth wirkt auf ganz eigene Weise.“ Weil dort auf den Tafeln eine Fluchtgeschichte lebendig wird. „Es ist leicht für uns, die Hand auszustrecken. Wir brauchen Freiwillige, die Geflüchtete begleiten, möglichst für einen längeren Zeitraum. Die Engagierten werden dabei nicht alleine gelassen“, betonte Heilig.

Die Deutsche Bank und die Baird Bank unterstützten mit Social Days Aufbau und Pflege des 300 Meter langen Labyrinthweges, der sieben Umgänge hat. Die Anlage weist einen Durchmesser von 30 Metern auf und ist kein Irrgarten; der Weg führt stets wieder hinaus. Seit drei Jahren finden regelmäßig Veranstaltungen an diesem Ort statt. Der Ortsbeirat 10 leistete 2018 Finanzhilfe in Höhe von 4000 Euro für das Weidenlabyrinth. „Es gab heiße Diskussionen am Alten Flugplatz um Entsiegelung und Naturschutz – wir haben gemeinsam einen guten Kompromiss gefunden“, erklärte Ortsvorsteher Robert Lange.

Das Weidenlabyrinth am Alten Flugplatz ist mit der Beschreibung einer ganz persönlichen Flucht noch eindrucksvoller geworden. Um diesen besonderen Ort zu erhalten, können Interessierte die Patenschaft für eine Stele, die aus dem Holz der Flüchtlingsunterkunft hergestellt ist, erwerben. Sie gilt für ein Jahr und kostet 500 Euro. Mehr dazu gibt es unter www.naturschule-hessen.de.

Das Labyrinth ist von März bis Oktober sonntags geöffnet und begehbar.

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