Urbanität durch Dichte

Heide Kulzinger wohnt in der Hochhaussiedlung am Berg. Foto: p

Frankfurter Berg (red) – Am Horizont der Taunus, davor die Niddaauen, im Rücken die Skyline. Willkommen auf dem Dach des Gebäudes Berkersheimer Weg 8 in der Hochhaussiedlung Frankfurter Berg – einer Jubilarin.

Denn ihre Bewohner haben am Wochenende das 50-jährige Bestehen des Quartiers gefeiert.

Einige Etagen tiefer ist der Blick noch genau so schön. Heide Kulzinger wohnt im 16. Stock und gehört zu den ersten Bewohnern des Hauses. 1970 zog sie mit ihrem Mann und dem acht Monate alten Sohn in die Dreizimmerwohnung.

„Die frische Luft und der gute Schnitt der Wohnung“ ist das, was die 75-jährige Rentnerin an dem Haus schätzt. Die hellen Räume einschließlich Küche verfügen über großzügige Fenster und zeigen nach außen, das lichtlose Bad liegt innen – ein für die damalige Zeit modernes Konzept. Diesem folgen mit Abwandlungen die 1006 Wohnungen in vier Hochhäusern – eins mit 17, zwei mit 19 und eins mit 25 Geschossen – sowie sieben Achtstöckern. Rund 2000 Menschen wohnen in der Siedlung, die mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus gemäß dem damaligen städtebaulichen Leitbild „Urbanität durch Dichte“ folgten. Segen und Fluch zugleich: Viele Familien fanden eine moderne und günstige Wohnung, das Naherholungsgebiet vor der Tür. Doch das Gesicht der Siedlung hat sich gewandelt. „Heute grüßt keiner mehr“, sagt Kulzinger. Man kenne sich kaum noch. Früher hätten die Nachbarn sich untereinander geholfen. Doch das komme heute nur noch selten vor. Ein Eindruck, den Michael Bartram-Sitzius, Erster Vorsitzender des Bürgervereins Frankfurter Berg, bestätigt. Die ersten Familien zogen ab den Siebzigern wieder aus. Das Wohnungsamt belegte die Wohnungen mit unterschiedlichen Mietern, die auf Sozialwohnungen angewiesen waren.

„Die große Verschiebung der sozialen Durchmischung hat der Siedlung nicht gutgetan“, sagt Bartram-Sitzius: „Der damalige Sozialdezernent hatte Ende der 70er gegen starke Widerstände den Bau des Jugendhauses durchgesetzt. Dies half, die aufkommenden Probleme etwas einzudämmen.“ Doch es ging weiter: Der Immobilien-Investor Werner Schleich kauft Ende der 80er die Wohnungen. Etwas später fallen sie aus der Sozialbindung, die Mieten stiegen. Schleich geht 2007 pleite, die Siedlung wird zum sozialen Brennpunkt.

Heute gehören 450 Wohnungen der GWH Wohnungsgesellschaft, der Rest ist Privatbesitz. Die GWH bewirtschaftet zwei Hochhäuser und vier Achtgeschosser. Die Hausmeister machen Rundgänge. Der Effekt: Der Flur auf der Etage von Heide Kulzinger ist aufgeräumt. „Das sieht in den ehemaligen ‚Schleich-Häusern’ teils anders aus. Da stehen Fahrräder auf dem Flur“, sagt Bartram-Sitzius.

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