Ein aufrüttelndes Buch

Train Kids: Flüchtlingsdramen gibt es auch in Mittelamerika

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Schüler ließen sich vom Autor ihr Buch signieren.

Nieder-Eschbach (red) – Das Thema Flüchtlinge hat in Deutschland eine gespaltene Gesellschaft geschaffen. Eine zerstrittene Politik kämpft im „vereinten“ Europa in erster Linie um eigene Interessen.

Weit weg von Deutschland und Europa sieht die Situation aber meist noch viel schlechter aus. So berichtet Schriftsteller und Jugendbuchautor Dirk Reinhardt von den Flüchtlingsproblemen in lateinamerikanischen Ländern, aus denen weitaus schlimmere Zustände berichtet werden, als es sie in Europa gibt. Die achten Klassen der Otto-Hahn-Schule hörten bei einer Lesung gespannt zu, als Reinhardt über die „Train Kids“ sprach. Bevor er Passagen aus seinem Buch vorlas, erklärte er den Jugendlichen die unvorstellbaren Zustände.

Über die unfassbare Armut in Ländern wie Guatemala, Ecuador, Honduras, oder El Salvador: Um ihre Familien ernähren zu können, haben viele Menschen ihre Heimat verlassen – um in den USA zu arbeiten, in der Hoffnung, ihre Familien nachholen zu können. Viele Eltern kommen aber nicht mehr zurück. Die Gründe sind vielfältig. Ihre Kinder versuchen nun ebenfalls in die USA zu reisen, um nach ihren Angehörigen zu suchen. Schätzungsweise 50.000 Jugendliche aus Mittelamerika sind ständig auf den Güterzügen („el tren de la muerte“ – der Todeszug) über Mexiko in Richtung amerikanischer Grenze unterwegs, um sich zu ihren Angehörigen durchzuschlagen. Ihre Reise gehört nach Ansicht von Amnesty International zu den „gefährlichsten der Welt“.

Trotzdem lassen sie sich nicht abschrecken, denn der Leidensdruck ist groß. Sie wollen nicht akzeptieren, von ihren Eltern oder Geschwistern getrennt zu sein. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass es ihr Schicksal sein soll, auf ewig in Armut zu leben. Die Geschichte des 2015 erschienenen Buches beruht auf Tatsachen, spielt in Mexiko und handelt von „Train Kids“, Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren, die aufgrund von Armut und mangelnder Perspektive versuchen, aus ihren Heimatländern in Mittelamerika zu fliehen. Dabei bestreiten sie einen Großteil ihres Weges auf den Dächern der Güterzüge. Um in seinem Roman eine möglichst authentische Geschichte erzählen zu können, reiste der Autor für ein halbes Jahr nach Mexiko und nahm Kontakt zu Flüchtlingen auf. In packenden Auszügen schildert Reinhardt, neben dem langen Weg der jungen Flüchtlinge, auch die Gefahren, die während der Reise aufkommen.

Dabei geht Reinhardt vor allem auf die persönlichen Eindrücke der „Train Kids“ ein, die nicht nur mit korrupten Polizisten zu tun hatten, sondern die sich mit dem organisierten Verbrechen und zwielichtigen Gestalten auseinandersetzen mussten. Nach Ende der Lesung erhielt der Autor viel Beifall. Allerdings war bei den Jugendlichen auch Betroffenheit zu erkennen. Fragen der Schüler an den Autor wurden im Anschluss beantwortet: Etwa, ob er Flüchtlingen helfen konnte. Und das konnte Reinhardt nur bedingt, denn Mexikos Behörden untersagen unter strengen Strafen jegliche Unterstützung von Flüchtlingen. Derzeit schreibt Dirk Reinhardt an einem neuen Roman über die Hackerszene, die kriminelle Machenschaften in Firmen aufdeckt.

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