VGF versteigert Fundsachen

Was in U- und Straßenbahn in Frankfurt liegen bleibt

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VGF-Auktionator Helge Lindner (rechts) treibt sein Publikum zu Höchstangeboten. Seine Kollegen (links) passen auf, dass alles seine Richtigkeit hat.

Eckenheim (zmo) – Wer hat nicht schon einmal bei einer Versteigerung des Londoner Auktionshauses Sotheby begeistert am Fernseher zugeschaut, wie wertvolle Gemälde mit dreistelligen Millionenbeträgen den Besitzer gewechselt haben? Doch dafür muss man nicht nach London.

In abgespeckter Form, aber mit ähnlichem Ablaufmodus, sind solche Veranstaltungen auch regelmäßig im Straßenbahn-Depot der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) in Eckenheim zu erleben. Alle zwei Monate bringt Helge Lindner vergessene Utensilien aus Straßen-, U-Bahn oder Stadtbussen gestikulierend zu Höchstpreisen an die Frau oder den Mann. Dann können zahlreiche interessierte Besucher auf ein nettes Schnäppchen hoffen und dabei mächtig Spaß haben. Den hat sichtbar auch Helge Lindner. Der Fundstellen-Mitarbeiter der VGF, der mit Charme und lockeren Sprüchen die Kauflust seiner Kunden antreibt, hat fast Kultstatus.

„Wir machen das jetzt schon über 25 Jahre. Die Besucher kennen mich und ich kenne meine Stammkunden. Es hat sich in den letzten Jahren eine ganze Menge verändert, das Interesse der Frankfurter an den Versteigerungen ist jedoch weiterhin ungebrochen und sogar mehr geworden“, sagte Helge Linder während einer Pause. Geändert hat sich der Fundstellen-Standort, der früher in der „Hanauer“ war und nun seit vielen Jahren in Eckenheim seinen Platz gefunden hat. Dass die Versteigerungen alle zwei Monate stattfinden können, liegt auch daran, dass Fahrgäste immer noch eine Menge persönlicher Dinge in Bussen und Bahnen liegen lassen. So war auch am vergangenen Freitag die Auswahl groß und die Besucher zahlreich.

Zur Auswahl standen Fahrräder, Rucksäcke, Kinderroller, Schirme, Geldbörsen, Brillen, Fotoapparate, Koffer, Handtaschen, Jacken und eine funktionstüchtige Eismaschine. Dazu kamen zwei Rollatoren, die selbst die VGF Mitarbeiter auf der Fundstelle stutzig machten und damit die Frage aufkam, wie ihre Besitzer ohne sie die Straßenbahn verlassen konnten. „Bevor es zur Versteigerung kommt, überprüfen wir sämtliche Fundsachen und versuchen – häufig mit recht aufwendigen Mitteln – die Besitzer herauszufinden“, erklärt Helge Linder die Vorgehensweise der VGF.

Erst dann und nach der anschließenden gesetzlichen Aufbewahrungspflicht von drei Monaten geht‘s in die Versteigerung. Tablets, Handys, Smartphones oder ganze PC-Anlagen dürfen aufgrund aktueller EU Richtlinien nicht versteigert werden. „Hier wäre der Aufwand einer kompletten Löschung der Daten zu groß. Diese Teile werden verschrottet, ebenso die Fundsachen, die nicht abgesetzt werden konnten“, sagte ein VGF-Mitarbeiter. Pressesprecherin Karola Brack und Auktionator Helge Linder konnten sich zum Ende der Veranstaltung über ordentliche Einnahmen freuen, die der Klinik für Kinderpsychiatrie der Universität Frankfurt zugutekommen.

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