Mit Hausmüll Energie erzeugen

100.000 Tonnen CO2 im Jahr mit Müllheizkraftwerk eingespart

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FES-Sprecherin Stefanie Pieper (von links), FES-Geschäftsführer Dirk Remmert, Vorstandsvorsitzender der Mainova, Constantin Alsheimer, und MHKW-Betriebsleiter Markus Sänger stellen das Kraftwerk vor.

Heddernheim (nma) – Auch ein Kraftwerk kann einen Frühjahrsputz vertragen – doch muss der Betrieb dafür völlig eingestellt werden. Zwei Wochen lang ist das Müllheizkraftwerk (MHKW) in Heddernheim deshalb derzeit ohne Funktion.

Das erfordert viel Organisationsgeschick von den Verantwortlichen, denn das Kraftwerk fungiert als Herz des Frankfurter Fernwärmenetzwerks: Wohl jeder Frankfurter kennt den mit einer roten Fantasieschlange bemalten Schornstein des Müllheizkraftwerks in Heddernheim. Doch ob jeder so genau weiß, was das Kraftwerk tut und welche Aufgaben es erfüllt, ist eine andere Frage. Den diesjährigen Gesamtanlagenstillstand wollen der Energieversorger Mainova und die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) nutzen, um das MHKW und seine Funktionen besser bekannt zu machen.

„Etwa 130 Lkw-Anlieferungen von Haus- und Gewerbeabfällen erfolgen hier jeden Tag. 8000 Tonnen Müll passen in den Müllbunker des Kraftwerks“, erläutert FES-Geschäftsführer Dirk Remmert. Damit sichergestellt werden kann, dass der Bunker absolut dicht ist, müsse dieser regelmäßig überprüft und die Anlage dafür abgeschaltet werden. Dies sei nun wieder so weit. Zwei Wochen lang steht das Kraftwerk still. Die unglaublichen Mengen Abfall werden in dieser Zeit in einer Abfallumladeanlage der FES im Osthafen zwischengelagert und in einer Mainzer Anlage verbrannt. Die Mainzer hingegen verteilen in dieser Zeit ihren Müll auf mehrere andere Anlagen.

Constantin Alsheimer, Vorsitzender der Mainova AG, erklärt: „Die Müllverbrennungsanlage ist eine Erfolgsgeschichte und hat 300 Millionen Euro gekostet.“ Die ersten zehn Jahre seit der Eröffnung 2009 seien wunderbar gelaufen. Durch die Nutzung des Mülls zur Wärme- und Energieerzeugung würden pro Jahr 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Dank eines gut funktionierenden Frankfurter Fernwärmenetzwerkes, das rund 300 Kilometer Leitungen umfasst, könnte die Wärme überall in Frankfurt genutzt werden.

Veröffentlichte Zahlen der Müllheizkraftwerk Frankfurt am Main GmbH verdeutlichen den Nutzen des Müllheizkraftwerks: Jeder Bürger erzeugt demnach etwa 218 Kilogramm Hausmüll pro Jahr und das versorgt wiederum 50.000 Menschen in der Mainmetropole mit Energie.

In den zwei Wochen, in denen das Kraftwerk still steht, soll ein zusätzlicher mobiler Kessel die Fernwärmeversorgung sicherstellen, 300 externe Handwerker arbeiten je zehn Stunden in zwei Schichten, um das Kraftwerk wieder flott zu machen.

Genauer auf den zweiwöchigen Stillstand des Kraftwerks geht Markus Sänger, Betriebsleiter des MHKW, ein: „Die Hälfte des verbrannten Materials hier in der Anlage besteht aus Biomasse. Die Sohle des Bunkers ist sieben Meter dick.“ Jedoch müsse regelmäßig überprüft werden, ob das Grundwasser betroffen sei. „Das war bisher noch nie der Fall“, sagt Sänger.

Die kurzzeitige Abschaltung des Kraftwerks wolle man zudem nutzen, um den Kamin und tragende Teile zu überprüfen. Aufgrund des hohen logistischen Aufwandes beginnt die Planung des zweiwöchigen Stillstandes bereits eineinhalb Jahre im Voraus. „Denn der Stillstand verursacht Kosten, die im einstelligen Millionenbereich liegen“, gibt Sänger zu bedenken.

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