Wilder Sonntag endet mit Spaziergang am Urselbach

Gewässerschau mit Wasserpercussion

Romantik pur: Ein Blick auf den sanft dahingleitenden, gurgelnden Urselbach. Fotos: Mohr

Niederursel (zmo) – Zum Abschluss des Programms „Wilder Sonntag. Wasserleben in Frankfurt“ hat sich das Umweltdezernat noch etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Vom „Urselbach zum Amazonas“, so hieß die Einladung der Dezernentin für Umwelt und Frauen, Rosemarie Heilig, die damit mehr als 60 Personen zur Teilnahme anregte.

„Ich denke, Umweltpolitik kann nicht nur aus dem Büro heraus erledigt werden, man sollte auch aktiv mit den Menschen in die Natur hinausgehen, mit ihnen sprechen und zeigen, was getan wurde und was noch getan werden muss“, begrüßte Heilig die Frankfurter, die am Sonntag auch richtig gefordert wurden.

Es blieb Thomas Andres, Experte von der „Unteren Wasserbehörde und Bodenschutzverwaltung“ vorbehalten, zu erklären, wie es den kleineren Wasseradern in Frankfurt geht. Der zwei Kilometer lange Spaziergang von der U-Bahn-Station Wiesenau bis zum Regenreinigungsbecken der Autobahn 5 brachte den Teilnehmern dann eine Menge Erkenntnisse: Oft ist der Urselbach ein von Gestrüpp und wucherndem Unkraut dahinplätscherndes Rinnsal, das allerdings bei starkem Niederschlag schnell zu einem reißenden Strom werden kann. Der notwendige Hochwasserschutz wird seit vielen Jahren äußerst konträr geführt. Die Namensgebung des Urselbachs ist unklar. Vom Kloster Lorsch entsprungen, bis zum Indogermanischen mit der Bedeutung „es regnet, es plätschert“, gibt es unterschiedliche Interpretationen. Bekannt ist allerdings, dass mit dem Wasser des Urselbachs jahrhundertelang 40 Mühlen versorgt wurden.

Die unteren Wasserbehörden nehmen bei den jährlichen Gewässerschauen alle Frankfurter Bäche und Flüsse (Gesamtlänge rund 100 Kilometer) in Augenschein, prüfen Wasser, Pflanzenwelt und Geländezustand. Müll, Hausrat und Grünschnitt verschmutzen oft die Bachläufe, eine regelmäßige Kontrolle der Behörden wäre sehr zeit- kosten- und personalaufwendig. Hinzu kommt, dass die anliegenden Kleingärten mindestens fünf Meter vom Ufer entfernt sein müssen, was kaum eingehalten wird.

Neophyten (invasive, nicht standortgerechte Pflanzenarten) überwuchern die Flussläufe, dass kein Wasser mehr zu sehen ist. „Ändern wird sich das erst wieder, wenn der Herbst beginnt und die Pflanzen verdorrt sind“, erklärt Andres.

Der Spaziergang endete unter der Autobahn 5. Hier zeigte Andres zwei im Bau befindliche Regenreinigungsbecken. Sie werden die wassergefährdenden Stoffe, Mineralöle, Schwermetalle, Abrieb von Reifen, auffangen, damit sie nicht in die Bäche gelangen. Nach einem zweistündigen Rundgang hatten die Gruppen Gelegenheit, sich im Café Mutz zu erholen. Angela Frontera und Marcio Tubino halfen dabei mit einer Wasserpercussion, die an die Ufer des Amazonas führen sollte. An diesem Tag sollte der Urselbach jedoch ausreichen.

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