Spaziergang mit Eseln

Freundschaft zu Tieren ohne Kitsch und verklärten Blick

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Tino und Jonas genießen die Pause: Bei den Eselwanderungen der Schilasmühle lernt man die wunderbaren Tiere kennen.

Niederursel (sh) – Manchmal reicht eine saftige grüne Wiese, um glücklich zu sein. Vor allem, wenn man ein Esel ist. Deren genügsame Lebenseinstellung kann einen erden.

„Bei einer Esel-Wanderung lernt man viel über sich selbst dazu“, erklärt mir Viktoria Giss, die als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Schilasmühle in Niederursel arbeitet. Neben Wanderungen und Spaziergängen mit Eseln gibt es noch viele weitere Programmpunkte, die das naturpädagogische Zentrum anbietet. Ich freue mich darauf, die Grautiere gleich kennenzulernen. Bevor wir mit den beiden Eseln Tino und Jonas zu einer rund dreistündigen Wanderung entlang der Felder Niederursels aufbrechen, legen wir den Tieren Halfter an, striegeln ihr Fell und überprüfen, dass sich in den Hufen keine Steinchen befinden, die beim Laufen in die Hufe eindringen könnten. Die Tiere sind sanftmütig, lehnen einem beim Anschauen der Hufe den Kopf an die Schulter. Jonas bekommt noch einen Packsattel umgeschnallt, denn er trägt unser Essen, das wir für die Picknickpause dabei haben. Dann geht es los.

„Die Ohren der Esel sind immer in Bewegung. Mit diesen nehmen sie ihre Umgebung wahr“, sagt Giss. Niederursel ist als Standort für ein naturpädagogisches Zentrum bestens geeignet: Der Stadtteil liegt idyllisch am Stadtrand und bietet viel Grün. Mit der U-Bahn ist Niederursel aber auch gut an die Stadt angebunden.

Neben Eseln gehören auch Schafe, Hühner, Kaninchen, ein 24 Jahre altes Gnadenhof-Pferd und ein Shetland-Pony, das ein ausgebildetes Therapiepferd ist, zu den Tieren der Schilasmühle. Der 2016 gegründete Förderverein Schilasmühle hat den historischen Vierseitenhof am Urselbach übernommen, um dort Familien und Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Natur aufzuhalten, die Tiere kennenzulernen, zu werkeln oder auf dem Heuboden herumzutoben.

Es gibt offene Angebote wie Naturnachmittage sowie Gruppenbesuche, beispielsweise von Kindergärten. Außerdem ist geplant, dass der Naturkindergarten Schilasmühle und der Hort „Die Gaukler“ in der Schilasmühle einziehen. „Dazu muss erst das Wohngebäude saniert werden. Dieses Jahr wollen wir den Bauantrag stellen und wenn alles gut läuft, könnten wir 2021 den Betrieb aufnehmen“, sagt Vorstandsmitglied Sandra Brinkmann to Broxten. Sie gehört zu den Gründern des Fördervereins Schilasmühle.

Hervorgegangen ist der Verein aus der in Alt-Niederursel ansässigen Gemeinschaft „der Hof“, die 1974 entstanden ist. Der Gemeinschaft liegen die Lehren Rudolf Steiners zugrunde, dem Begründer der Anthroposophie. „Aber wir sind keine Waldorf-Einrichtung“, sagt Brinkmann to Broxten.

Um Geld für Tierfutter zu verdienen, hält der Förderverein Schilasmühle kommerzielle Angebote bereit – wie das Ausrichten von Kindergeburtstagen oder eben Eselspaziergänge. Wir bewegen uns in Richtung der Felder, es ist ein warmer Sommertag. Wir halten die Esel an der „kurzen Leine“ am Halfter, denn die Tiere möchten lieber fressen, anstatt laufen. „Wenn Jonas in eine andere Richtung will als du, musst du unter Umständen mit deinem ganzen Körpergewicht dagegenhalten“, erklärt Viktoria Giss. Das klappt sogar gut. Jonas ist zwar ein wenig störrisch, aber überhaupt nicht aggressiv. Letztendlich trottet er in die Richtung, in die wir gehen wollen.

Auf einer grünen Wiese machen wir ein Picknick – sehr zur Freude der Esel, die sich gleich die Bäuche vollschlagen. Wir selbst kommen kaum zum Essen, weil wir unsere vierbeinigen Begleiter nicht aus den Augen lassen können und gegebenenfalls wieder zurückholen müssen, wenn sie sich zu weit von uns wegbewegen.

Interessanterweise haben die Esel Angst vor Wasser und über Brücken, unter denen der Bach rauscht, mögen sie kaum gehen. Zweiter Höhepunkt der Tour aus Eselsicht ist ein Sandplatz, auf dem sie sich tüchtig wälzen – dass dabei unser Gepäck vom Packsattel fällt, ist Jonas egal.

Ein schönes Erlebnis nähert sich seinem Ende. Den wunderbaren Eseln einmal so nah gekommen zu sein, war eine Bereicherung: Ich habe Freundschaft zu Tieren ohne Kitsch und verklärt-romantischen Blick erfahren.

Mehr zu den Angeboten der Schilasmühle, Oberurseler Weg 11, gibt es im Internet unter www.schilasmuehle.de.

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