Glücksfall Sportfeld Edwards

Flüchtlingsunterkunft in Rekordzeit fertig

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Doris Pfeiffer-Götze (von links), Robert Lange, Daniela Birkenfeld, Sabine Kalinock, dahinter Darioush Tourabi und Nazanin Pohlschmidt.

Berkersheim (jf) – Noch sind die Wege unbefestigt. Aber die fünf zweigeschossigen Holzmodulhäuser stehen. Jedes Haus hat acht Wohnungen mit Schlafzimmern, einer kleinen offenen Küche, einem kleinen Duschbad. Insgesamt ist Platz für 170 Personen.

Viele Interessierte aus dem Ortsbeirat 10 und aus der Nachbarschaft sind in die obere Ecke der August-Schanz-Straße auf das ehemalige Sportfeld Edwards gekommen, um sich über die neue Unterkunft für Geflüchtete zu informieren. Dezernentin Daniela Birkenfeld freute sich: „Diese Unterkunft konnte in nur sechs Monaten fertiggestellt werden. Normalerweise dauert es drei Jahre von der Planung bis zum Einzug. Das hier war ein Glücksfall. Es kam uns wie ein Geschenk des Himmels vor, als uns die Firma Liwood signalisierte, sie könnte kurzfristig für uns Holzmodule produzieren. Die Firma hatte für die Nachverdichtung der Platensiedlung gerade eine Produktionsstätte in Frankfurt eingerichtet und noch Kapazitäten frei.“

Das Dezernat Soziales, Senioren, Jugend und Recht mit der Stabsstelle Unterbringungsmanagement und Flüchtlinge hatte den Ortsbeirat 10 nach der Sommerpause über die Planung einer Unterkunft informiert. Der Ortsbeirat unterstützte das Vorhaben. Ein Träger, das Diakonische Werk, wurde gefunden, ein bewährtes Team zusammengestellt. Auch die Beratungsgesellschaft für Stadtentwicklung und Modernisierung (BMSF) half. „Ich weiß, dass sich gerade wegen dieser Geschwindigkeit einige Bürger gewissermaßen überrumpelt fühlten“, bemerkte Birkenfeld und erklärte die Situation in Frankfurt. Nach wie vor hat die Stadt mehr Neuzugänge von Geflüchteten als Auszüge aus Unterkünften. Zurzeit sind 4900 geflüchtete Menschen untergebracht, davon haben 2600 bereits ein Schutz- und Bleiberecht.

Geflüchtete werden auf sieben Standorte verteilt

Hinzu kommt, dass ein Teil der Unterkünfte nur befristet zur Verfügung steht. So werden Mitte Februar unter den 23 Familien mit 63 Kindern und den 54 Alleinstehenden, die auf das Sportfeld Edwards umziehen, auch Menschen aus Niederrad sein – die dortige Unterkunft mit 200 Plätzen muss bis Ende Februar geräumt werden. Die Niederräder Geflüchteten werden auf sieben Standorte verteilt. „Nach Berkersheim kommen Menschen, die schon länger in Frankfurt sind“, unterstrich Birkenfeld.

Sabine Kalinock, Leiterin des Arbeitsbereiches Flucht und Integration beim Diakonischen Werk, berichtete, dass die Diakonie in Frankfurt rund 800 Geflüchtete betreue. Die älteste Unterkunft ist die am Alten Flughafen Bonames. Dort arbeitete auch Nazanin Pohlschmidt, sie wird gemeinsam mit der in der Entwicklungshilfe erfahrenen Doris Pfeiffer-Götze die Einrichtung in Berkersheim leiten. Insgesamt werden sechs Fachkräfte und 13 Mitarbeiter am rund um die Uhr besetzten Empfang tätig sein. Beide wünschen sich eine gute Nachbarschaft und suchen Ehrenamtliche, die Deutschunterricht für Erwachsene, Hausaufgabenbetreuung für Kinder oder Patenschaften übernehmen wollen. Interessierte können sich bei Sabine Kalinock, Diakonisches Werk, melden. Ortsvorsteher Robert Lange dankte allen bisher Engagierten und hofft auf ein friedliches und für alle Seiten bereicherndes Zusammenleben.

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