Landschafts-Lotsin Anette Sulzbach klärt auf dem Alten Flugplatz über Nager auf

Von Bäumen und Bibern

Anette Sulzbach ist stolz auf ihr streng geschütztes Biberfell. Foto: Lutter

Bonames (zlu) – Viele warteten auf das Bibermobil. Das sollte eigentlich auf dem Alten Flugplatz Bonames halt machen – kam aber nicht. Dank der Landschafts-Lotsin Anette Sulzbach von der Naturschule Hessen war die Enttäuschung jedoch nur von kurzer Dauer.

Die Frau, die eine Biberausbildung absolviert hat, holte kurzerhand ihren Biberkoffer hervor und hielt selbst eine Einführung in die Kunde der nachtaktiven Nagetiere ab.

„Alles was man am Tag sieht, sind nämlich die wesentlich kleineren Nutrias”, erklärte sie.

„Die haben einen Rattenschwanz”. Der Biber hingegen werde bis zu 1,30 Meter groß. Er habe eine sogenannte Kelle, die durchschnittlich bis zu 30 Zentimeter lang wird und ihm als Steuer, Antriebsorgan und Fettdepot diene. Die Beschaffenheit erinnere an die einer Schlangenhaut. Sei Gefahr in Verzug, schlage er damit lautstark auf die Wasseroberfläche und signalisiere seiner Familie, den Rückzug in die Biberburg anzutreten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts seien Biber nicht nur wegen ihres dichten Fells, sondern auch wegen ihres für ein Heilmittel und Aphrodisiakum gehaltenes Anal-Sekrets, des sogenannten Bibergeils, fast vollständig ausgerottet worden.

Allein in Hessen leben heute aber wieder bis zu 600 Biber-Familien. Das und vieles mehr erklärte die Naturführerin rund um das Leben der Tierchen, die in ihrer Behausung sogar separate Putz- und Schlafräume anlegen. Sie berichtete ebenso von deren Treue zu ihren Lebenspartnern und, dass sie sich ausschließlich in der Missionarsstellung fortpflanzen.

Was auch immer das Bibermobil noch alles zu bieten gehabt hätte, die Abgesandten des Naturschutzbunds hätten diese Einführung sicherlich kaum kurzweiliger gestalten können.

Die von der Stadt Frankfurt beauftragten Landschafts-Lotsen haben ihre Station Am Burghof 55, an der Landebahn des einstigen Militär-Hubschrauberplatzes. Dort kann Inlineskates, Fahrrad und Skateboard gefahren werden, Drachenflugkünste demonstriert oder einfach nur auf den Liegewiesen in der Sonne gebadet werden. Die Hauptattraktion bleibt jedoch die Natur, denn seit 2003 entwickelt sich ein Teil des Areals immer mehr zur Wildnis.

Es siedeln sich seltene Vögel und Amphibien an, im Westteil wurde etwa eine Wasserwelt geschaffen, die im Rhein-Main-Gebiet ihresgleichen sucht. Um zwischen den Bedürfnissen von Mensch und Natur ein Gleichgewicht zu schaffen, wollen die Lotsen die Besucher in Gesprächen aufklären und Hinweise zu einem bewussten und rücksichtsvollen Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt geben.

Der Alte Flugplatz Bonames ist außerdem eine der Lernstationen im Grün-Gürtel. Dort werden Veranstaltungen für Schulen und Kitas, sowie Aktionsnachmittage zu verschiedenen Themen angeboten. Nächster Termin ist der Vogeltag am Sonntag, 12. Mai. Die Naturbeauftragten stehen Ausflüglern immer am Wochenende von elf bis 18 Uhr zur Verfügung. Weitere Infos gibt’s unter Z 069 21230208.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare