Gedenkfeier zur Erinnerung an den 75. Jahrestag der Zerstörung der Frankfurter Innenstadt

Zeigen, wie friedliches Zusammenleben geht

OB Peter Feldmann mit Ernst Gerhardt, Stephan Siegler und Uwe Becker an der Paulskirche. Foto: Stadt Frankfurt/ Heike Lyding/p

Innenstadt (red) – 75 Jahre nach dem Bombenabwurf durch die alliierten Bomberverbände über Frankfurt gedachten Gäste auf Einladung von Oberbürgermeister Peter Feldmann der Katastrophen des Zweiten Weltkrieges und erinnerten an den Wiederaufbau Frankfurts.

Der Stadtälteste und ehemalige Kämmerer Ernst Gerhardt berichtete von seinen persönlichen Erinnerungen an die Kriegszeit und die Entwicklung der Mainmetropole danach.

846 Bomber der Royal Air Force legten die historische Innenstadt in Schutt und Asche. 400 Menschen starben in der Nacht und 55.000 wurden obdachlos. 7000 Häuser zerstörte der Angriff. Doch das war erst der Anfang. Vier Tage später folgte die zweite Bomberwelle. Noch einmal starben 1001 Menschen, 120.000 Frankfurter verloren ihre Wohnung. Bis zum Kriegsende sollten noch etliche kleinere Angriffe dazukommen. Als die Waffen endlich schwiegen, zählte Frankfurt zu einer der am stärksten zerstörten Städte Deutschlands. Doch diese statistische Beschreibung bleibt unvollständig. Darauf wies Oberbürgermeister Feldmann in seiner Gedenkrede hin. „Das sind Zahlen. Zahlen können nichts erklären. Sie können uns nicht fühlen lassen, wie sich die Frankfurter damals fühlten. Sie sagen nichts über die Todesangst, das Ausgeliefertsein, die Trauer und den Schmerz beim Anblick der Ruinen“, sagte das Stadtoberhaupt.

Die Zeit von damals hole einen nur manchmal ein. Wenn dies geschehe, dann mit Wucht, erklärte Feldmann. Dabei bezog er sich auf den Sommer 2017. Damals wurde bei Bauarbeiten eine nicht detonierte Weltkriegsbombe gefunden. Um den Blindgänger sicher entschärfen zu können, hatten während der umfangreichsten Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik mehr als 60.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen.

Auch wenn aktuell nur noch wenig in der Stadt an den Krieg erinnere, sei es wichtig, „in Zeiten, in denen wieder gezündelt wird“ das Gedenken aufrechtzuerhalten. Dieses Erinnern verfolge zwei Ziele. Zum einen, „den Gedanken an Krieg, Zerstörung und unermessliches Leid aufrechtzuerhalten“. Dazu gehe es darum, jeglicher Umdeutung von Geschichte entgegenzutreten. „Da stehen auf einmal die Deutschen als Opfer eines Krieges dar, den sie selbst vom Zaun gebrochen und selbst entfesselt haben“, unterstrich der Oberbürgermeister. Die positive Kehrseite dessen, „den Frieden unter europäischem Dach“, nannte er ein „von Menschen gemachtes Wunder“.

Stadtältester Ernst Gerhardt, 1921 im Stadtteil Bockenheim geboren, ist einer der wenigen Frankfurter, die sich noch an die Altstadt vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erinnern. Sehr bewegend schilderte er seine Eindrücke. Gerhardt sah die gerade zerstörte Altstadt während eines Heimaturlaubes kurz nach den Angriffen.

„Ich ging in die Altstadt und stieg auf einen glühenden Berg Trümmer. Es war ein Bild des Jammers. In meiner Seele war ich sehr, sehr traurig“, erinnerte sich Gerhardt. Nach dem Krieg seien die Menschen in der Stadt über dessen Ende sehr glücklich gewesen. Und: „Sie haben nicht gejammert. Ihnen ging es ums Überleben“, sagte der Grandseigneur der Frankfurter Kommunalpolitik. Die Bürger hätten weder Zeit noch Interesse gehabt, sich um den Wiederaufbau der Altstadt zu kümmern. „Erst mit zunehmendem Abstand zum Krieg konnten sich die Menschen diesen Ideen zuwenden.“

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