Dritte Gesprächsrunde mit Experten aus Köln und Berlin und einer Sängerin aus Israel

Was wird aus dem Schauspiel?

Die Experten (von links) Marc Jordi, Michael Fuchs und Thomas Albrecht, im Hintergrund ein Fotoausschnitt des ehemaligen Seeling-Gebäudes. Foto: Faure

Innenstadt (jf) – Das Auktionshaus Arnold in der Bleichstraße stellte seine Räume für die dritten Frankfurter Schauspielhaus-Gespräche zur Verfügung. Raoul Helmer, Antenne Frankfurt, begrüßte die Gäste, Hausherr Karl M.

Arnold leitete die Veranstaltung ein: „Ich habe Schwierigkeiten mit der Entscheidung, welcher Weg – Historismus oder Neubau – für das Schauspiel Frankfurt der richtige ist. Deshalb sind heute Abend Experten zu Gast. “.

Tobias Rüger, Vorsitzender des Veranstalters, der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt, Saxofonist und Komponist, begleitete die israelischen Sängerin Yahli Toren bei „Surabaya Johnny“ von Brecht/Weill auf dem Flügel und stimmte musikalisch auf den Abend ein.

Anschließend trat Michael Fuchs, Redakteur der Kölnischen Rundschau, ans Mikrofon und berichtete unter dem Titel „Das Kosten-Drama um die Sanierung der Kölner Bühnen: Warnendes Beispiel für Frankfurt?“ über die jahrelange Sanierung der Spielstätten in der Rheinmetropole. 1957 wurde das Opernhaus, 1962 das Schauspielhaus in Köln eröffnet. 2003 wurde der schlechte Bauzustand festgestellt, die Diskussionen begannen. „Als 2009 das Stadtarchiv in Köln einstürzte, war das ein Schock für die Menschen. 2010 gründete sich eine Bürgerinitiative gegen den Abriss und Neubau des Schauspielhauses. 2011 wurde die Sanierung der Bühnen für 253 Millionen Euro beschlossen“, erläuterte Fuchs. Inzwischen gibt es neue Pläne: Maximal 571 Millionen Euro soll das Projekt nun kosten und Mitte 2023 fertig werden. Fuchs konstatierte ein „Organisationsversagen“ und „Chaos auf der Baustelle bei 63 beteiligten Firmen“.

Thomas Albrecht sprach anschließend. Er entwarf den Potsdamer Platz mit, konzipierte das Museum Barberini in Potsdam und beförderte den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Unter der Überschrift „Historische Architektur als Publikumsmagnet“ verkündete er: „Menschen müssen Gebäude lieben.“ Dann funktionierten Sanierungen, nicht nur die von Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sondern auch die Rekonstruktion des 1929 von Mies van der Rohe entworfenen Barcelona-Pavillons.

Man könne im Kosten- und Terminplan bleiben, das wurde beim Museum Barberini bewiesen. „Die genaue Planung der Haustechnik ist ein Garant für die termingerechte Fertigstellung“, verriet der erfahrene Architekt. Mit Stuttgart 21 und der Elbphilharmonie sei der Widerstand gegen Großprojekte gewachsen – das sollten die Planer bedenken. Deshalb hatte Wilhelm von Boddien die Idee, eine Fassadentapete für das Berliner Stadtschloss herstellen zu lassen. So kann man Künftiges bereits während der Bauzeit sehen.

„Gebäude sollen nicht wie Handys sein, sondern Handwerklichkeit haben“, schloss Albrecht. Als dritter Experte trat Marc Jordi ans Pult und sprach über „Die Wiederentdeckung des Historismus und die Qualität des Seeling-Baus“. Jordi, dessen Entwürfe auch in zwei Gebäuden der Neuen Altstadt in Frankfurt realisiert wurden, beschäftigte sich zunächst mit dem Berliner Ensemble, ebenfalls wie das einstige Schauspielhaus in Frankfurt ein Seeling-Bau. „Es geht nicht darum, alte Architektur auf den Sockel zu heben, sondern darum, Systeme zu verstehen und den Stadtraum mit einzubeziehen“, sagte Jordi.

Es wird wohl noch dauern, bis die Stabsstelle „Zukunft der städtischen Bühnen“ unter der Leitung von Michael Guntersdorf (Neue Altstadt) einen Vorschlag unterbreitet. Die Aktionsgemeinschaft jedenfalls streitet für den Wiederaufbau des 1902 eröffneten Baus von Heinrich Seeling. Teile des Hauses sind noch erhalten, nur sind sie hinter der vom Frankfurter Büro ABB unter Otto Apel in den 1960er Jahren entwickelten Fassade verborgen.

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