Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Holocaust

„Wir vergessen Euch nicht“

Der Chor „Liederliche Lesben“ sorgte unter anderem für die musikalische Untermalung des Gedenk-Gottesdienstes. Foto: Schneider

Nordend (zjs) – Am Vorabend des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz begingen viele Besucher in der katholischen Kirche St. Bernhard im Nordend ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Nationalsozialismus. Auf den Kirchenbänken brannten 341 rote Kerzen.

Sie sollen an die verfolgten Menschen im Stadtteil erinnern, denn genau so viele Stolpersteine wurden im Nordend verlegt.

Die Organisation stand unter dem Motto „Wir vergessen Euch nicht“ und wurde von der katholischen Gemeinde St. Bernhard, der Rogenbogencrew der AIDS-Hilfe Frankfurt und dem Bündnis Akzeptanz und Vielfalt umgesetzt. „Der Schwerpunkt des Gedenkens ist den ‘Asozialen’ gewidmet. So bezeichneten die Nationalsozialisten Wohnungslose, Bettler, Wanderarbeiter, Prostituierte und Suchtkranke“, sagte Lars von der Weth von der Regenbogencrew.

Auch der Staatsminister für Soziales und Integration, Kai Klose, war gekommen: „Der Tag des 27. Januar ist kein Tag der Vergangenheit, sondern ein Tag der Solidarität. Wir wollen und wir werden nicht wegschauen, denn es ist ein Tag des Respekts gegenüber den Menschen“, sagte der Politiker.

Bundespräsident Steinmeier hatte es bei den zentralen Feierlichkeiten in Yad Vashem in Israel auf den Punkt gebracht: „Never again – niemals wieder.“ Dem pflichtet auch Lucas Nikodym von der Regenbogencrew bei: „Wir müssen die Vergessenskultur wachhalten, denn die meisten Menschen, die heute bei uns leben, haben glücklicherweise keinen Krieg erlebt. Doch wie schnell es dazu kommen kann, sehen wir leider in vielen Ländern der Erde“, sagt der junge Mann. „Eine gemeinsame Andacht zu halten, gibt uns Kraft“, sagten Andrew Steimann, Rabbiner der Henry- und Emma Budge-Stiftung.

Dr. Olaf Lewerenz, evangelischer Stadtkirchenpfarrer der St. Katharinenkirche in Frankfurt ist davon überzeugt, dass weder die Opfer noch die Verbrechen vergessen sind. Weitere Vertreter kirchlicher Organisationen wie Petra Löbermann von St. Bernhard und Bruder Michael Wies vom Franziskustreff sowie Politiker der Stadt wie Stefan Mayer setzen sich für die Schwachen in der Gesellschaft ein, die keine Lobby haben. Es sei bei den heutigen politischen Strömungen wichtig, für seine Werte und Überzeugungen einzutreten. Die Vortragenden waren sich einig, dass die Erfahrungen aus der Vergangenheit wachgehalten werden müssten, um das Bewusstsein der jüngeren Generation zu schärfen.

Musikalisch unterstützt wurde der Gottesdienst vom Chor „Liederliche Lesben“ und Stefan Poppe an der Orgel und Steffen Hillinger an der Trompete.

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