Großartige Inszenierung

Widerstand im Thermalbad

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Geologe Folz (Ralf Stößer) demonstriert den interessierten Kurgästen eine chemische Reaktion.

Bockenheim (zko) – Mit Badkappe und Schlappen: Das Bockenheimer Theaterensemble zeigte vergangenen Freitag die Inszenierung „Der thermale Widerstand“ des österreichischen Autors Ferdinand Schmalz. Regie bei dieser modernen Gesellschaftssatire führte Mascha Pitz.

Die Darsteller brillierten im Kulturhaus Frankfurt am Zoo in Badekleidung und Plastikschlappen. Unterhaltsame Gymnastikeinlagen und das mehrfache Auftauchen der Darsteller inmitten des Publikums sorgten für schöne Momente. Und darum ging es: Kurbadchefin Roswitha (Carmen Maus) ist auf Gewinnmaximierung bedacht und muss dringend Unternehmensberaterin Marie (Ann-Marie Kutter) von einem rentablen Konzept überzeugen, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Um das Ziel zu erreichen, kann sich gern auch ihr Masseur Leon (Torsten Leiss) prostituieren. Bademeister Hannes, mit anarchischem Impetus überzeugend von Ingo Göllner dargestellt, möchte das Bad für alle Menschen öffnen, scheitert jedoch am heftigen Protest der elitären Dauerkurgäste (Uli Hermann, Andrea Fellermann, Britta Berz und Patrick Miller), die „Heilwasser in kleinen Schlucken bei Gallenleiden aller Art“ zu sich nehmen.

Sogar die weniger vornehme Tageskurgesellschaft (Annika Berlin, Martina Cimminiello, Christine Krämer und Sandra Witteck) hebt sich von der Allgemeinheit ab, schließlich verbinden die Kurgäste Themen rund um Magenprobleme und Stuhlgang.

Leon ist hin- und hergerissen, ob er sich von Bademeister Hannes für die demokratische Zielsetzung gewinnen lassen oder doch lieber im elitären Zirkel verbleiben will. Er entscheidet sich aufgrund seiner wirtschaftlichen und emotionalen Lage jedoch für letzteres. Der zerstreute Geologe Folz (Ralf Stößer) bleibt rein wissenschaftlich orientiert, nimmt beständig Wasserproben und ergötzt sich an wissenschaftlichen Experimenten, die er den Kurgästen vorführt. Im Laufe der sich überstürzenden Ereignisse entdeckt er plötzlich und unverhofft seine Leidenschaft für Roswitha, die sie erstaunlicher Weise erwidert.

Bademeister Walter (Wolfgang Huber), der von einer Zukunft träumt, in der er nicht mehr arbeiten, sondern nur noch unter Palmen ausspannen will, muss feststellen, dass auch er, so wie sein ursprünglicher Widersacher Hannes, keinen Platz in einer ausschließlich profitorientierten Gesellschaft hat, sondern zum Scheitern verurteilt ist. Das Thermalbad als erhoffte Keimzelle einer neuen Freiheit wird zum Symbol einer hoffnungslos kapitalistisch geprägten Gesellschaft, die ihre Privilegien bis aufs Messer verteidigt und zur Not auch über Leichen geht. Eine großartige Leistung des Ensembles.

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