Grundlagenforschung in Afrika stärken

Wissenschaftler der Goethe-Uni eröffnen Postgraduiertenakademie in Bamako

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Wissenschaftler von der Goethe-Universität, der Universität Basel und dem Forschungszentrum Point Sud haben eine einzigartige Postgraduiertenakademie in Bamako (Mali) eröffnet. Das Gruppenbild zeigt Fellows und Mentoren.

Die Grundlagenforschung in afrikanischen Staaten zu stärken, das ist das Ziel der neuen Postgraduiertenakademie in der malischen Stadt Bamako – insbesondere im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Westend – Die Einrichtung, die von der Gerda-Henkel-Stiftung finanziert und von Wissenschaftlern aus Frankfurt und Mali konzipiert wurde, ist kürzlich feierlich eröffnet worden.

Trotz großer Fortschritte finden die frankophonen afrikanischen Länder weltweit noch wenig Beachtung in der globalen Wissensproduktion. Insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften orientiert man sich stark am Problemlösungsbedarf von Politik und Entwicklungsindustrie – auf Kosten des Weiterentwicklungspotenzials der Fächer. „In politisch orientierten Diskursen steht die Wissenschaft in der Pflicht, Lösungen für menschliche Probleme zu liefern, und der praktische Nutzen wird zum Messstandard für die Feststellung der Gültigkeit von Wissen“, beschrieb Prof. Elisio Macamo von der Universität Basel, einer der beiden Gründungsdirektoren, die Situation bei der Eröffnung. Tatsächlich laufe die Debatte darüber, inwieweit die Wissenschaft gefordert ist, relevantes Wissen zu produzieren, auf ein Dilemma hinaus, das die Diskussion äußerst schwierig gemacht habe. „Die Wissenschaftler stecken besonders in Afrika in einer Zwickmühle zwischen der Vermittlung nützlichen Wissens bei gleichzeitiger Verwässerung wissenschaftlicher Standards einerseits und der Aufrechterhaltung wissenschaftlicher Standards bei gleichzeitigem Risiko der Irrelevanz andererseits“, so Macamo.

Frankfurt Westend: Wissenschaftler der Goethe-Uni eröffnen Postgraduiertenakademie

Welche Rolle spielt Grundlagenforschung in den Sozial- und Humanwissenschaften in einem Kontext, der im öffentlichen Bewusstsein vor allen durch „scheinbar offensichtliche Problemlagen“ gekennzeichnet ist, die es mit Hilfe des an den Universitäten erlernten wissenschaftlichen Repertoire zu lösen gelte, fragte auch Prof. Mamadou Diawara vom Institut für Ethnologie der Goethe-Universität, der die neue Akademie gemeinsam mit Macamo und Wissenschaftlern in Mali gegründet hat. Die konzeptuelle und methodische Weiterentwicklung der Disziplinen selbst bleibe dabei oft auf der Strecke. Es sei jedoch von größter Wichtigkeit, die Probleme grundlegend zu verstehen und die richtigen Fragen zu formulieren. Dies sei leider alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das Übermaß an „angewandter Forschung“ im Dienst der Entwicklungspolitik führe dazu, so die Wissenschaftler, dass Afrika in der globalen Wissensproduktion immer weiter zurückfalle, was sich besonders im frankophonen Afrika zeigt, das im Zentrum des Projektes steht.

Prof. Mamadou Diawara (links) und der Minister für Bildung und Forschung, Prof. Mamadou Famanta, bei der Eröffnung in Bamako. Fotos: Stefan Schmid/p

Die „Pilote African Postgraduate Academy (PAPA)“, die von Goethe-Universität, Universität Basel und Forschungszentrum Point Sud in Bamako entwickelt wurde, versteht sich jedoch ausdrücklich nicht als dekoloniales Projekt. „Wir sind nicht auf der Suche nach einer afrikanischen Wissenschaft, die alles anders macht als die sogenannte europäisch geprägte Wissenschaft. Wir wollen das wissenschaftliche Vokabular vielmehr von solchen gedanklichen Korsetten befreien“, führte Macamo aus.

(red)

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