So klingen Regentropfen

Projekt „Response“ im Adorno Gymnasium

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Teamer Gerhard Müller-Hornbogen (links) bespricht sich mit dem Dirigenten Mekhriddin.

Die Mädchen und Jungen aus der 6b des Adorno Gymnasiums klacken mit dem Mund. Erst leise, dann lauter. Wie Wassertropfen klingt das.

Westend – Vor den Kindern steht der gleichaltrige Mekhriddin und dirigiert; wenn er die Hände hebt, werden die Geräusche lauter, wenn er sie senkt, ebbt das Klacken ab.

Die Instrumente – Trommeln, Xylofone, Gitarren, Geigen, Flöten – werden mit dem Bogen gestrichen, auf dem Holz wird gekratzt und geschabt, die Trommeln werden mit gedämpften Schlagstöcken sanft berührt. Glas zerspringt, Wind kommt auf, der Tropfen wird zu Eis.

Die Geschichte eines Wassertropfens steht im Adorno Gymnasium im Mittelpunkt des Schulprojekts „Response“, das es seit 1990 hessenweit gibt. Das Kultusministerium, die Alte Oper und die Junge Deutsche Philharmonie sind dabei Kooperationspartner.

Nach der Probe wird schnell umgebaut, im Klassenraum entsteht ein Podium. Seit August 2019 hat das Adorno Gymnasium seinen temporären Platz in der Miquelallee 160. Schulleiter Mathias Koepsell erklärt: „Kultur hat bei uns einen hohen Stellenwert. Ich bin bewegt von der Aufführung. Wenn diese pädagogische Kraft weiter tragen kann, würde ich mich freuen.“

Westend Frankfurt: Schulprojekt „Response“ im Adorno-Gymnasium

Ernst August Klötzke, Projektleiter von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK), lobt die Mädchen und Jungen: „Das habt ihr klasse gemacht! Wir haben einen Einblick in die Werkstatt eines künstlerischen Prozesses bekommen.“ Seit 2009 verantwortet die HfMDK das Projekt. Es bietet Raum für neue Musik, will die junge Generation an dieses Thema heranführen und ist auch ein Bindeglied zwischen Laien und Profis. Neu im Zeitraum 2019/20 ist die wissenschaftliche Begleitung unter der Leitung von Maria Spychiger (HfMDK).

Marcus Kauer vom Hessischen Kultusministerium unterstreicht das besondere Format: „Um bei ‘Response’ mitzumachen, sind keine musikalischen Vorkenntnisse erforderlich. Am Schluss werden die Werke in der Alten Oper aufgeführt – das ist schon etwas Tolles.“

Im Herbst sei die Projektgruppe auf das Thema Naturklänge gekommen, berichtet Klötzke. Viele Schulen aus Hessen und Thüringen haben sich beworben, 23 Bildungsinstitute ganz unterschiedlicher Schularten wurden ausgewählt. Es gibt zwei Referenzstücke von Gegenwartskomponisten; „Luftklavier“ von Luciano Berios und „Rain Tree“ von Toru Takemitsu. 

Adorno-Gymnasium Frankfurt: „Wir haben Vertrauen erhalten, können mitreden“

Ein Tandemteam aus Komponist und Instrumentalist, im Adorno Gymnasium sind es der Komponist Gerhard Müller-Hornbach und die Cellistin Larissa Nagel, kommt zu fünf Doppelstunden in die Schule. „Zwischendurch proben wir natürlich“, ergänzt Klassenleiterin Julia Jung. Außerdem deutet sie auf die Tafel: „Es ist nicht ganz einfach, Klänge ohne Noten aufzuschreiben. Man braucht eine abstrakte Zeichensprache.“

Nicole Schlabach, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die das Projekt unterstützt, findet es großartig: „Es gelingt, Kinder zu etwas zu bringen, was sie sich sonst nicht trauen.“

„Wir haben Vertrauen erhalten, können mitreden“, findet Schülerin Sümeyye. „Seit einigen Jahren habe ich Klavierunterricht, aber das ist etwas ganz Anderes“, meint Elena. Und die Klasse arbeite aufgrund von „Response“ besser zusammen, sind sich die Schüler aus der 6b einig.

Am 13. und 14. März werden alle 23 Werke im Mozart Saal der Alten Oper uraufgeführt, jeder Schule bleiben etwa fünf Minuten. Aber das Erlebnis dieses Auftritts wird lange nachwirken.

(jf)

Zum 17. Mal war der „Lange Tag der Bücher“ und der zwölfte Bouqinistenmarkt im Haus am Dom zu Gast. Der bewährte Organisator und Moderator Florian Koch begrüßte die Gäste im Saal.

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