„Öffentliche Panik ist vollkommen übertrieben“

Corona: Virologin klärt am Uni-Campus über den Virus auf

Virologin Sandra Ciesek spricht am Campus Westend der Goethe-Universität über den Coronavirus. Foto: Mag
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Virologin Sandra Ciesek spricht am Campus Westend der Goethe-Universität über den Coronavirus.

Der Coronavirus treibt die Menschheit seit Wochen um, doch ist dieser wirklich so gefährlich? Bei einer Informationsveranstaltung in der Goethe-Universität hat die Virologin Sandra Ciesek die Gefahr eingeordnet und damit einen großen Beitrag zur Deeskalation geleistet. Denn der Virus ist nicht gefährlicher als die normale Grippe.

Westend –  So groß sind die Sorgen der Frankfurter vor dem Coronavirus offensichtlich nicht, denn der große Saal auf dem Campus Westend der Goethe-Universität war rappelvoll: Bevor die Virologin Sandra Ciesek dort am Montag vor einer Woche die Bühne betrat, gab es vorerst einige allgemeine Informationen. Beispielsweise, dass zu diesem Zeitpunkt „nur“ 129 Menschen in Deutschland an dem Virus erkrankt seien (Anm. d. Red.: Die Zahl ist seit dem Vortrag auf weit mehr als 1100 angestiegen), während der normale Grippevirus bereits 98.000 Menschen befallen und mehrere hundert getötet hat.

Frankfurt Virologin erklärt: Coronaviren im Tierreich verbreitet

Sandra Ciesek ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Uniklinik in Frankfurt: „Coronaviren sind im Tierreich sehr verbreitet. Sechs Corona-Erreger waren uns bisher bekannt, die auch auf den Menschen übergehen können“, beginnt sie ihren Vortrag vor den rund 250 Zuhörern. „Coronaviren sind ganz häufig für Erkältungen verantwortlich und auch für viele Atemwegsinfektionen.“ Vergleichbar mit dem Ausbruch von SARS im Jahr 2002 sei die derzeitige Krankheitswelle nicht. SARS hätte eine Tödlichkeitsrate von zehn Prozent gehabt, Corona hingegen sei genauso gefährlich wie die alljährlich wiederkehrende Grippe.

„Es waren 2002 völlig andere Zahlen, als wir sie heute haben“, weiß Ciesek. Der Panik wegen des Virus’ ist sie sich bewusst. Doch betont Ciesek: „In Wuhan gab es unter anderem so viele Tote und eine so schnelle Ausbreitung, weil Infizierte dort von Familienmitgliedern gepflegt wurden. Das ist natürlich problematisch.“ In Frankfurt könne hingegen mittlerweile experimentell an dem Virus geforscht werden. „Was wir versuchen, ist, die Signalwege des Virus’ in der Zelle zu finden. Das wäre eine gute Möglichkeit zur Behandlung.“

Virologin erklärt in Westend: Bei 80 Prozent nur leichtes Halskratzen

Doch Tatsache ist, dass die meisten Menschen, die an Corona erkrankt sind, gar keine Behandlung brauchen. Sie bemerken den Virus nicht einmal. „80 Prozent aller Erkrankten, die unter 50 Jahre alt sind, haben nur leichtes Halskratzen, sonst nichts“, erklärt die Expertin.

Aus dem Publikum gibt es nach ihrem Vortrag die Frage, was denn nun den neuen Coronavirus so gefährlich mache im Vergleich zur Grippe. Darauf hat Ciesek eine ganz klare Antwort: „Eigentlich nichts.“ Zwar gebe es keinen Impfstoff gegen den neuen Virus, doch sei die öffentliche Panik vollkommen übertrieben. Ciesek kritisierte weiterhin Medien, die in den vergangenen Wochen Virologen mit fragwürdiger Qualifikation interviewt und offensichtlich für Interviews ausgewählt haben, da deren Antworten besonders reißerisch sind.

(nma)

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