Plastikfrei? Geht!

Dritter Bürgerdialog mit kompetenten Frauen im Senckenberg Forschungsinstitut

Rosemarie Heilig (von links), Gabriele Hässig, Petra Boberg, Beate Siegler und Christiane Hütte. Foto: Faure
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Rosemarie Heilig (von links), Gabriele Hässig, Petra Boberg, Beate Siegler und Christiane Hütte.

Grüner Teppich, grüne Klappsitze – das passte schon mal gut zu Frankfurt Green City.

Westend – Die Initiative hatte zum dritten Bürgerdialog mit dem Thema: „Plastikfrei im Alltag? Wie gehen wir verantwortungsvoll mit Plastik um?“ ins Senckenberg Forschungsinstitut eingeladen. Das Umweltamt kooperierte dabei mit dem Institut. Im Podium diskutierten Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, Gabriele Hässig von „Procter & Gamble“, Beate Siegler sowie Christiane Hütte, Inhaberin des Hotels Villa Orange, mit der Moderatorin Petra Boberg.

Zu Beginn wies die Kabarettistin und Schauspielerin Katalyn Hühnerfeld mit einer Pantomime mit dem Titel „Die Rache des Planktons“ witzig und zugleich bitterböse auf die Verschmutzung der Ozeane hin.

Julia Krohmer vom Senckenberg Forschungsinstitut stimmte auf das Thema ein. Deutschland belege mit 38 Kilogramm Plastikmüll je Einwohner pro Jahr (2016) einen traurigen vierten Platz nach Luxemburg, Irland und Estland in Europa.

„Vom Schnuller bis zum Urinbeutel – Plastik begleitet uns tatsächlich das ganze Leben. Aber die Rohstoffe sind endlich, wir müssen uns etwas einfallen lassen“, stellte Rosemarie Heilig fest. Ein bisschen liege der hohe Verbrauch auch am Hygienewahn der Deutschen.

„Es geht auch ohne“, entgegnete Beate Siegler. Die 70-Jährige lebt seit 2016 plastikfrei. „Nach sechs Wochen waren auch die letzten in Plastik verpackten Vorräte aufgebraucht, deshalb ist eine Woche Plastikfasten zu wenig“, erklärte die Expertin. Natürlich war der Anfang schwierig; in dem einen Laden gab es Nudeln in Pappschachteln ohne Folienfenster, am anderen Ende der Stadt lose Seife. Und die inzwischen drei Unverpackt-Läden in Frankfurt gab es da noch nicht. „Einmal in der Woche gehe ich auf den Markt und kaufe frische Waren, einmal im Monat besorge ich Haltbares. Ich bin immer mit einer Einkaufsliste unterwegs, das hilft. So kommt man nicht in Versuchung, mal eben schnell nebenbei etwas zu kaufen.“

Frankfurt Westend: Bürgerdialog im Senckenberger Forschungsinstitut

Das Hotel Villa Orange nahm 2018 an einer Plastikfrei-Challenge teil, damit begann alles. „Wir bemühen uns in den drei Bereichen Küche, Etage und Backoffice um Reduzierung von Plastik. Zu Beginn ging es um die Motivierung der 28 Mitarbeiter und um die Überzeugung der Gäste. Inzwischen gehören wir zu den 85 Bio Hotels in Deutschland, verwendeten von Anfang an keine Portionsverpackungen, Obstsäfte gibt es in Mehrwegglasflaschen, Joghurt und Sahne ebenfalls. Wir sind mit Unternehmen im Gespräch, um Kreisläufe bei der Befüllung von Flaschen und Behältern einzurichten.“

„Und wie sieht es in der Stadt Frankfurt aus?“, fragte Petra Boberg die Umweltdezernentin. „Ganz ehrlich? Wir sind noch weit davon entfernt, plastikfrei zu sein. Außerdem landen von zehn Kippen acht auf der Straße. Die Ursache der Plastikflut ist Faulheit. Als das Umweltthema vor mehr als 30 Jahren aufkam, war das Bewusstsein höher als jetzt. Unter dem Motto ‚Halte dein Wohnzimmer sauber‘ wollen wir die Bürger sensibilisieren.“

Auch global agierende Unternehmen wie „Procter & Gamble“ kümmern sich um Nachhaltigkeit, bestätigte Gabriele Hässig. „Im Januar 2019 wurde die Alliance to end Plastic Waste gegründet. 40 internationale Konzerne gehören der Organisation an, die mit einer Milliarde Dollar und weiteren 500 Millionen Dollar jeweils in den nächsten fünf Jahren gegen Umweltverschmutzung vorgehen will. ,Procter & Gamble’ gehört zu den Gründungsmitgliedern.“ Das Unternehmen will jedoch nicht nur Plastik vermeiden, sondern den CO2-Ausstoß insgesamt verringern. Dazu laufe beispielsweise auch ein Pilotprojekt in Paris und New York für ein Pfandsystem.

In der Diskussion wird deutlich: Man kann plastikfrei leben, es ist zwar aufwendig, aber keinesfalls teurer – im Gegenteil, man spart sogar, weil man nicht planlos irgendetwas einkauft.

Um europaweit Fortschritte zu erzielen, müsste es europäische Standards geben. Die Müllsortierung könnte effektiver gestaltet werden – da gibt es bereits Ideen. Jeder kann zur Reduzierung von Plastik beitragen.

(jf)

Der Coronavirus treibt die Menschheit seit Wochen um, doch ist dieser wirklich so gefährlich? Bei einer Informationsveranstaltung in der Goethe-Universität hat die Virologin Sandra Ciesek die Gefahr eingeordnet und damit einen großen Beitrag zur Deeskalation geleistet. Denn der Virus ist nicht gefährlicher als die normale Grippe.

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