Studenten zeigen Ausstellung „Making Crisis visible“ im Senckenberg Museum

Wenn der Planet im Müll versinkt: Die Welt und ihre diversen Krisen

Westend (jdr) – Auf dem Boden liegt eine 3,5 Quadratmeter große Plane. Sie ist in enge Abschnitte unterteilt – und stellt ein Zelt dar, wie es in Syrien zum provisorischen Wohnen genutzt wird.

Unvorstellbare Dimensionen, deren Ausmaß erkennbar wird, wenn es ausgebreitet vor dem Betrachter liegt. Es handelt sich bei der Veranschaulichung um eins der Werke, die in der Ausstellung „Making Crisis visible“ im Senckenberg Museum gezeigt werden. 50 Studenten der Hochschule für Gestaltung Offenbach stellen bis 2. Juni aus. Das Thema befasst sich mit Krieg, Katastrophen und Konflikten, einer Flut beunruhigender Nachrichten und dem Umgang mit Krisen in der Welt, die den Menschen lähmen, anstelle ihn zum Handeln zu bewegen.

Mit ihren Arbeiten fordern sie dazu auf, hinzusehen, nicht, ob vermeintlicher Ausweglosigkeit zu resignieren, sondern aktiv zu werden. So rütteln sie mit Visualisierungen, Skulpturen und kritischen Beiträgen wach, zeigen, dass die Erde wirklich in der Krise steckt. Dabei werden der Klimawandel und das Problem Plastikmüll in den Fokus gestellt.

Design, Kunst und Wissenschaft zeigen gemeinsam, wie weit es bereits gekommen ist, wohin Gleichgültigkeit auf der einen, Radikalisierung auf der anderen Seite geführt haben: Die Krise, in der sich die Welt befindet, sichtbar zu machen, visualisierbar, hörbar und erlebbar – die Künstler zeigen auf unterschiedlichste Weisen die Ausmaße und Auswirkungen dessen, was für den Mensch im Alltag, in der Hektik – zumindest offensichtlich – untergeht. Was mehr oder weniger unsichtbar für die Gesellschaft bleibt, steht in der Ausstellung im Vordergrund.

Die Exponate zeigen, wie der vom Menschen produzierte Plastikmüll den Lebensraum der Wildtiere verschandelt, einschränkt – einnimmt. Etwa die Videoarbeit „Plasi(c)nation“ von Timon Osche, zeigt eine Erde, auf der alles und jeder in Plastik eingeschweißt, konserviert und für sich abgeschottet ist. Es verdeutlicht visuell greifbar die Allgegenwart von Plastikmüll. Außerdem sieht der Betrachter Fuchs und Reh knietief im Abfall stehen, kann sich mit einer VR-Brille in ein gejagtes Tier hineinversetzen: Die Anstrengungen – der Herzschlag beschleunigt sich spürbar, die Fluchtwege verengen sich – zum Scheitern verurteilt: Schon wird es vom Feind, dem Menschen, erschossen.

Ökologie greift etwa der Plastik- scanner in der Ausstellung auf: Ein Ausblick auf die Möglichkeit nachhaltigen Konsums, da das Gerät dem Nutzer zeigt, ob Material recycelbar ist. Auch Modedesignstudenten haben sich mit dem Upcycling von nicht wiederverwertbarem Kunststoff auseinandergesetzt und Kleidung aus Plastik(müll) entwickelt. Fotograf Nicolas Ritter hat dazu in Shanghai ein Shooting gemacht: „Die Outfits unter dem Leitfaden ,Aus Plastik Mode machen’ haben wir im Cyber-Punk-Stil in Szene gesetzt“, sagt der 34-Jährige. Entstanden ist die Arbeit „Making Crisis pretty“ – großartige Fotos und Kleidung, die zum Nachdenken über den Umgang mit Ressourcen anregen. Christos Voutichtis macht mit „The Order of Sound“, die umgebenden elektromagnetischen Wellen hörbar. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich der Besucher unwohl – Punktlandung für diese Darstellung versteckter Verschmutzung. Dass aus Worten Waffen werden können, macht die Arbeit von Xia Li deutlich, in der Donald Trumps Satz „Make America great again“ in Buchstaben zerlegt wird. Daraus hat die Künstlerin, Bezug nehmend auf Trumps Schießbefehl auf Migranten an der mexikanischen Grenze, Pistolen zusammengesetzt. Eine plüschige Riesen-Bombe in Smiley-Optik wartet derweil nur darauf, gezündet zu werden – kritisch, wie alle Themen der Ausstellung.

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