Viel Helau, Kamelle und gute Laune

Größter Faschingszug Hessens führt an neuer Altstadt vorbei

+
Guggemusik: Mit großen Trommeln vor dem Bauch heizten Teilnehmer des Umzugs die Besucher des Spektakels musikalisch an.

Innenstadt (jf) – „Helau!“ war wohl das meistgerufene Wort am Faschingssonntag in der Frankfurter Innenstadt. Der 1,7 Kilometer lange und über eine Strecke von rund vier Kilometern führende Zug wurde von mehr als 300.000 Zuschauern bejubelt.

Die Bernemer Handkäs’-Kanoniere fuhren in der Daimler-Motorkutsche von anno 1888 vor.

Etwa 3000 Teilnehmer aus 92 Vereinen liefen vom Westhafen in einer großen Runde bis zum Römerberg. 41 Garden, 16 Kapellen und Spielmannszüge sowie einige hübsche Motivwagen sorgten in rund 200 Zugnummern für Stimmung und Staunen. So ging der Große Rat mit seinem Wagen „Struwwelpeter“ auf Lokalkolorit ein, widmete sich mit einer dem Ablaufdatum nahen Milchtüte mit Merkel-Kopf und einer Weinflasche mit AKK-Gesicht (Annegret Kramp-Karrenbauer) der Bundespolitik und mit einer Theresa May auf der Keramik sowie Donald Trump als Clown dem europäischen und globalen Geschehen.

Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel boten Stoff für eine Parodie auf dem Frankfurter Fassnachtsumzug: Aus Pappmaché gefertigt, wurden beide als fast abgelaufene „Getränke“ durch die Stadt gezogen.

Wieder hatten Engagierte viele Stunden ihrer Freizeit für den Bau fantasievoller Gefährte geopfert – nur gut, dass weder Sturm noch Regen die Arbeit an diesem Tag zunichtemachten. Ausgelassen wurde gefeiert, an Kreppelständen an der Strecke konnten die Menschen süßes Gebäck erwerben. Viel Kamelle und Schokolade wurden von den Wagen ins Volk geworfen, Findige hielten Beutel, geöffnete und umgedrehte Regenschirme sowie Zylinder in Richtung der vorbei defilierenden Werfer auf der Gasse und auf den Fahrzeugen.

Und auch Attila, das Maskottchen der Eintracht Frankfurt, hatte einen Platz auf einem Zugwagen.

An der Seite liefen bei allen Wagen Ordner mit, um die Strecke freizuhalten und dafür zu sorgen, dass keiner etwa unter die Räder kam. Nach vier Stunden klang der Umzug traditionell mit Kreppelkaffee in den Römerhallen aus. Gastgeber war wie stets der Oberbürgermeister. Der hat ohnehin in den Faschingstagen nichts zu tun, wie er im Fernsehen zugab – das Frankfurter Rathaus ist am Faschingssamstag an das Prinzenpaar Pascal I. und Selina I. übergeben worden. Die hingegen haben richtig viel Stress – es sind etwa 160 Termine in ihrer Amtszeit zu bewältigen. Von Müdigkeit ist bei den Hoheiten aber nichts zu bemerken, denn ihnen macht Fasching offensichtlich richtig Spaß – so wie vielen anderen auch. Helau!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare