Sieben Gemälde der Goethezeit konnten restauriert werden

Überraschungen unter UV-Licht

Behrends zeigt die Schäden am Bild. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Die Gemäldegalerie im Goethe-Museum ist beinahe ein Geheimtipp und die einzige deutsche Kunstsammlung, die sich ausschließlich mit dem Zeitraum von etwa 1750 bis 1850 beschäftigt.

Im Raum sieben von insgesamt 14 war ein mit tiefrotem Samt bedeckter Tisch aufgestellt, links davon stand eine Staffelei: Mareike Hennig, Leiterin der Kunstsammlung des Freien Deutschen Hochstifts, bemerkte: „Das sieht aus, wie ein weihnachtlicher Gabentisch, erinnert aber eher an Ostern und das Fest der Auferstehung. “.

Auferstanden sind sieben Gemälde, alle stammen aus dem Depot des Museums und befanden sich in einem desolaten Zustand. Bei der Initiative „Kunst auf Lager“, einem Bündnis zur Erschließung und Sicherung von Museumsdepots, konnten Mittel beantragt werden. Dabei steuerte die Ernst von Siemens Kunststiftung, sie gehört zu den 13 Stiftungspartnern, etwa 18.000 Euro zur aufwendigen Restaurierung der Gemälde bei. Rund 500 Werke gibt es im Goethe-Haus, -Museum und Depot. 120 Arbeiten werden in der Galerie gezeigt. Das Doppelporträt von Friederike Elisabeth und Wilhelmine Oeser, 1776 von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren angefertigt, war die aufwendigste Arbeit für Restauratorin Maike Behrends. Die Schwestern sind Töchter des Leipziger Malers Adam Friedrich Oeser – dessen Porträt, gemalt von Anton Graff, hängt nur einige Räume weiter. Oeser unterrichtete auch Goethe, man kannte einander und war befreundet.

„Das Bild hatte eine kraterartige Oberfläche. Unter UV-Licht wurden die Schäden sichtbar, alte Retuschen zeigen sich als schwarze Flecken“, zeigte die Expertin anhand einer digitalen Pageflow-Dokumentation. Diese wird in Kürze online auf der Seite goethehaus-frank furt.de zu finden sein.

Vermutlich wurde das Bild in feuchten Räumen gelagert. Nach dem Abtragen der Firnis füllte die Fachfrau die schadhaften Stellen mit Kreidegrund auf, um eine glatte Fläche zu erhalten. Erst dann wurden farbliche Anpassungen vorgenommen. „Ein früherer Restaurator hat auch ein Auge erfunden“, sagte Behrends. Besonders stolz sind die Hüter der Kunstsammlung auf zwei Gemälde von Louise Seidler; das Porträt von Ottilie Arnoldie und das Porträt von Julie Zschaler als Braut. Seidler war eine Freundin Goethes, hatte bei Gerhard von Kügelgen gelernt und wurde später Erste Kustodin der Weimarer Sammlung. Eugen Weber malte von Kügelgen ein Miniaturporträt, Kügelgen selbst porträtierte auch Goethe und Schiller. Ein unbekannter Künstler fertigte ein Pastellporträt von Adelbert von Chamisso an. Stockflecke, Retuschen, Kratzer und Abriebe kennzeichneten das Bild vor der Bearbeitung, zu der eine spezielle Restauratorin hinzugezogen wurde. Ebenfalls als Pastell angelegt ist das Porträt von Charlotte von Kalb, Briefpartnerin von Goethe und Schiller, Hölderlin und Jean Paul.

Den Abschluss der kleinen Porträt-Reihe bildet Christoph Wilhelm Hufeland, gemalt von Johann Friedrich August Tischbein. Er war Arzt von Goethe, Schiller, Wieland und Herder. Sein Porträt muss einiges durchgemacht haben, denn fünf starke Beschädigungen rund um das Gesicht geben Rätsel auf. Das zunächst als nicht besonders ramponiert erschienene Gemälde erwies sich unter dem UV-Licht als aufhaltsame Arbeit. Nur für ein paar Stunden waren die Gemälde aufgebaut. Sie verschwinden und werden im Romantik-Museum, das man 2021 zu eröffnen hofft, erfreuen.

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