Im Verkehrsausschuss melden sich Gegner und Befürworter der Sperrung leidenschaftlich zu Wort

Streitfall nördlicher Mainkai

Bis zur Gasse Zum Pfarrturm ist die Zufahrt noch offen. Dahinter sind 750 Meter Straße zwischen Schöner Aussicht und Untermainbrücke für ein Jahr gesperrt, die Begrenzung kann von Autos nicht mehr umfahren werden. Foto: Faure

Innenstadt/Altstadt (jf) – Der Sitzungssaal konnte die Interessierten kaum fassen, die Stühle reichten längst nicht für alle, die zur 34. Sitzung des Verkehrsausschusses gekommen waren.

Auf diesen Andrang reagierte der Vorsitzende Wolfgang Siefert (Grüne): „Wir ziehen die Bürgerrunde zum Mainkai vor. “ Das fand allgemeine Zustimmung. „Waren Sie nach der Sperrung des nördlichen Mainkais schon einmal zur Feierabendzeit in Sachsenhausen und haben das Chaos in der Schweizer Straße gesehen?“, wandte sich ein Bürger an Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling. „Ich bin jeden dritten Tag in Sachsenhausen. Ja, es gibt ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zwischen etwa 15 und 19. 30 Uhr. Wir werden die Ampelschaltung verändern und sehen, was das bringt“, antwortete Oesterling.

Gleich mehrere Fragen hatte Jochem Heumann (CDU): „Welche Alternativrouten gibt es? Wie viel CO2 mehr wird durch die Sperrung ausgestoßen? Wo sind die 20.000 Autos, die täglich den Mainkai genutzt haben?“ Die Rede erntete Buh-Rufe und Beifall. Die nächste Wortmeldung kam von Gesche Oppermann: „Wir finden den Beschluss gut. Oder wackelt er bereits?“ Sie verstehe den Unmut der Sachsenhäuser Bürger, aber eine Lösung könne nur in einer Reduzierung des gesamten Autoverkehrs liegen. „Bitte bringen Sie Hibbdebach und Dribbdebach nicht auseinander und tragen Sie nicht zu einer Polarisierung bei“, wandte sie sich an alle. „Wir sperren das nördliche Mainufer probeweise für ein Jahr. Wäre das Tunnelprojekt realisiert worden, hätte fünf Jahre gesperrt werden müssen. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Schritt mit großer Mehrheit beschlossen. Und richtig, der Autoverkehr insgesamt muss reduziert und die Schiene ausgebaut werden“, entgegnete Oesterling.

Herbert Schmoll, er gründete im August die Bürgerinitiative (BI) „Sachsenhausen wehrt sich“, warf Oesterling vor: „Diese Politik richtet sich gegen Sachsenhausen.“ Frankfurt sei die Stadt mit den meisten Pendlern, und da werde eine Hauptverkehrsstraße gesperrt. Es gehe jedoch darum, den ÖPNV zu verbessern. Sabine Blank beklagte: „Seit der Sperrung hat der Verkehr nicht abgenommen, die Gesundheitsbelastung in Sachsenhausen ist gewachsen.“

Eugen Emmerling (SPD), Mitglied des Verkehrsausschusses, entgegnete: „Wir wollen, dass die Menschen nicht unter dem Autoverkehr leiden. Aber wir bekommen täglich E-Mails mit verbalen Angriffen. So können wir nicht miteinander umgehen. Mit Polemik werden wir die Probleme nicht lösen.“ Ausschussmitglied Martin Kliehm (Linke) äußerte: „Völlig klar: Verkehr ist gesundheitsschädlich. Deshalb wurde der nördliche Mainkai gesperrt. Wir müssen jetzt handeln, doch dazu brauchen wir Verkehrszählungen, andere Ampelschaltungen und vielleicht andere Wegführungen.“

„Wir sollten die Schadstoff-Grenzwerte ernst nehmen und als mobile Personen Fahrten unter drei, besser fünf Kilometern nicht mehr mit dem Auto bewältigen. Wir sollten den für den Autoverkehr gesperrten Mainkai mit dem Rad und zu Fuß nutzen und zeigen, dass es funktioniert“, bemerkte Bernhard Maier (Grüne). Das sah Katharina Knacker ähnlich: „Die Sperrung ist gut. So wird der Kai zur Begegnungsstätte oder auch zum Fahrradparcours für die Kinder.“ „Das geht ja sehr polemisch zu“, äußerte Ausschussmitglied Nico Wehnemann (Fraktion). Ausdrücklich bedankte er sich bei Oesterling, dass er „nicht umgefallen“ sei.

Martin Daum (CDU) bemerkte: „Die BI ist in großer Stärke vertreten und ernst zu nehmen. Aber wir sollten nicht verschiedene Initiativen gegeneinanderstellen.“ Die Sperrung des nördlichen Mainufers sei im Koalitionsvertrag beschlossen worden, „wir halten uns dran“. Es sollte allerdings eine Zwischenbilanz geben. Im Übrigen seit die Mainufer-Sperrung nicht das wichtigste Thema in Frankfurt.

Horst Reschke (AfD) bezeichnete die Sperrung als „hirnrissig“, Oesterling merkte zum Abschluss an: „Selbst eine IHK-Umfrage ergab: Es gibt viel Sympathie für die Sperrung.“ Das fühlte sich an diesem Abend allerdings nur teilweise so an.

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