Thema: Kriege, Krisen und Konflikte zwingen Millionen Menschen zur Flucht

Stiftung lädt Bürger zur Diskussion

Philipp Rotmann (von links), Melanie Coni-Zimmer, Uwe Optenhögel und Michael Steiner sprechen über das Thema „Krieg vor der Haustür“. F.: Mohr

Bockenheim (zmo) – Sarah Brockmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin am „Global Public Policy Institute (GPPI), zuvor für die Vereinten Nationen in New York tätig, und Philipp Rotmann, stellvertretender Direktor des GPPI, dort verantwortlich für die Themen Frieden und Sicherheit, haben ein Buch über Kriege, Krisen und Konflikte geschrieben und ihm den Titel „Krieg vor der Haustür“ gegeben.

Darin beschreiben sie weltweite Krisen, die nun auch in Europas Nachbarschaft angekommen sind. .

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte dazu für den vergangenen Donnerstag Frankfurter Bürger zu einer Diskussion über dieses Thema in das Gästehaus der Goethe-Uni eingeladen. Martin Gräfe, Leiter der FES Hessen, begrüßte die Bürger und sagte zum Einstieg, dass es bedrückend sei, dass – auch mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg – die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt weitergehen, mittlerweile auch näherkommen und es bis heute nicht gelang, eine friedliche Ordnung herzustellen.

Uwe Optenhögel, Vize-Präsident der „Foundation for European Progressive Studies“ (FEPS), sieht diese Entwicklung ähnlich und zählte dabei die einzelnen Konflikte innerhalb der EU und darüber hinaus auf. Die Weltgemeinschaft müsse einfach mehr tun, um derartige Krisen nicht eskalieren zu lassen: Dazu gehöre auch Deutschland, das zwar mit humanitären Einsätzen hilft und dennoch weit unter seinen Möglichkeiten bleibt: Aufgrund der herausragenden Wirtschaftskraft Deutschlands und anderer Staaten, sollte erheblich mehr Druck ausgeübt werden und nicht nur eigene Interessen im Vordergrund stehen.

Für den Autor Philipp Rotmann ist es ebenfalls selbstverständlich, dass Deutschland sich mehr einsetzen muss. „Sicher hat das Land viele Flüchtlinge aufgenommen und wird es aller Voraussicht nach auch weiterhin tun müssen. Bislang schrecken die Deutschen vor einer Einmischung in die Kriege zurück, auch wenn es andere Staaten und heimische Politiker – oft unüberlegt – fordern. Das Land profitiert von den Krisengebieten und ist schon aus diesem Grunde mitten drin in den Auseinandersetzungen. Hinzu kommen auch die unterschiedlichen politischen Koalitionen in Deutschland, die Entscheidungen fast unmöglich machen“, erläuterte Rotmann die politische Situation Deutschlands.

Aber was kann auswärtige Politik wirklich erreichen? In ihrer Dokumentation versuchen die beiden Autoren zu erklären, wie Konflikten vorausschauender und pragmatischer begegnet werden kann. Dazu gehören lang- und mittelfristige Präventionen, globale Krisendiplomatie, stärkere humanitäre Einsätze, Verfolgung von Kriegsverbrechen, Einstellung von Waffenverkäufen und vieles mehr. Es reiche nicht, dass Gewalt und Krieg nur mit Zelten und Decken, Geld und Waffenexporten begegnet werde, sondern mit politischen Strategien, die vielen das Leben retten könnten.

Michael Steiner, ehemaliger Botschafter in Indien und in vielen Kriegsgebieten tätig, weiß, dass Kriegen nicht nur mit Interventionen begegnet werden kann. Wenn es aber sein muss, dann nur mit Mandaten und dann müssen sie nachhaltig sein. Melanie Coni-Zimmer, seit Oktober 2018 Mitglied im neu berufenen Beirat „Zivile Krisenprävention und Friedensförderung der Bundesregierung“ hält Interventionen für notwendig. Aber das allein reiche nicht. Vor allem glaubt sie, dass präventive Maßnahmen in den Krisenländern die beste Lösung bedeuten. In der Analyse des Buches kamen die Teilnehmer zu der Erkenntnis, dass die globalen Kriege und Krisen mehr mit „uns“ zu tun haben, als den Bürgern lieb ist. Dieser Meinung waren nicht nur die Diskussionsteilnehmer, sondern auch viele der Zuhörer.

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