Anwohner beklagen Vorgehen der Stadt: Wird der „Frankfurter Weg“ infrage gestellt?

Für ein solidarisches Miteinander im Frankfurter Bahnhofsviertel

Moritz Krawinkel beanstandet die Situation im Frankfurter Bahnhofsviertel. Ebenfalls anwesend ist rechts von ihm: Eyup Yilmaz, Stadtverordneter der Linken. Foto: Mohr

Bahnhofsviertel (zmo) – Der Frankfurter Soziologe Moritz Krawinkel ist wahrlich kein sanfter Streiter, wenn es um Ungerechtigkeit, Verdrängung, Wohnungsnot oder Flüchtlinge geht.

Er war in Mexiko, begleitete von dort Flüchtlinge in die USA, hat an zahlreichen Demonstrationen teilgenommen, arbeitet für die Organisation „Medico International“ und setzte sich ein, um ein Wohnhaus im Bahnhofsviertel vor Spekulanten zu retten. Jetzt wohnen dort Menschen mit geringem Einkommen und bezahlbarer Miete. Alles ehrenwert, so auch sein Einsatz im Bahnhofsviertel.

„Wir beobachten seit einiger Zeit das Vorgehen von Polizei und Sozialämtern, die offensichtlich die Aufgabe bekommen haben, wohnsitzlose Menschen und Drogenkonsumenten von den Straßen des Bahnhofsviertels zu vertreiben“, sagt Moritz Krawinkel auf der Demonstration am Karlsplatz am Freitagmittag.

Bahnhofsviertel wird aufgewertet

Dass das Bahnhofsviertel in den vergangenen Jahren deutlich aufgewertet wurde, ist kaum einem verborgen geblieben. Bei diesen Aufwertungen hat sich auch der Druck auf sozial Schwache und Drogensüchtige erheblich verstärkt. Ihre Verdrängung in andere Ecken des Viertels war und ist auch weiterhin zu beobachten. Eine größere Anzahl von Anwohnern – vor allem des Hausprojekts Nika – beklagten bei der Kundgebung am Freitag diese Vorgehensweise – auch gegenüber der Stadt Frankfurt.

„Wir, als Nachbarn des Viertels, wehren uns dagegen, dass die Aufwertung des Bahnhofsviertels ausschließlich Investoren und Eigentümern zugutekommt und damit nur auf dem Rücken der sozial Schwächsten vollzogen wird“, kritisiert Krawinkel. Verantwortliche der Stadt Frankfurt weisen diese Behauptungen allerdings zurück: Der sogenannte „Frankfurter Weg“ soll auch weiterhin im Bereich um das Bahnhofsviertel seinen Platz haben. Das sehen die Nachbarn des Bahnhofsviertels anders.

Mehr soziale Beratung: „Menschen nicht kriminalisieren“

„Wenn es um echte Unterstützung für Drogenkonsumenten geht, dann muss über eine neue Form der Hilfsangebote nachgedacht werden, die die Menschen nicht auch noch kriminalisieren. In anderen Städten ist man hier schon weiter“, sagt Anwohnerin Lisa, die auf der Demonstration mehr soziale Betreuung und Unterkünfte für die hilfsbedürftigen Menschen fordert.

„Ich habe hier mehr als 20 Jahre lang das Bahnhofsviertel erlebt. Die Zustände sind unzumutbar geworden. Es muss eine Veränderung in der Drogenpolitik erreicht werden. Schon oft wurde darüber im Ortsbeirat diskutiert“, sagt der anwesende Stadtverordnete der Linken, Eyup Yilmaz.

Zwar waren auf der Veranstaltung auch mehrere Mitarbeiter der Stadt zugegen, diese wollten sich aber zum Thema nicht äußern.

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