Der Frankfurter Christian Gaa will Mr. Gay 2020 werden

„Schwulenfeindlichkeit? – Gibt’s auch unter Homosexuellen!“

Will als Mr. Gay noch mehr für die Community und die Rechte von Schwulen bewegen: Christian Gaa. Foto: p

Frankfurt (oh) – Vor knapp drei Monaten bekommt Christian Gaa als Aktivist des Bündnisses „Akzeptanz & Vielfalt Frankfurt“ am Tag des Berliner Christopher Street Days erst schwulenfeindliche Sprüche zu hören, dann wird er ins Gesicht geschlagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 26-Jährige angefeindet wird, weil er Männer liebt.

„Mit 17 Jahren habe ich mich geoutet. Für meine Familie war das kein Problem. Wir sind sehr weltoffen“, erzählt der Frankfurter. „Meine Mutter meinte nur: ,Das habe ich doch schon immer gewusst’“, sagt er und lacht. Auch zwischen ihm und seinen engen Freunden ändert das Outing nichts. In der Schule gibt es mehr Probleme. Sprüche wie „Schwuchtel“ fallen, Christian Gaa bekommt erstmals deutlich Homophobie zu spüren.

Heute, zehn Jahre später, habe sich natürlich vieles verändert, sagt er. Aber es sei noch lange nicht so, dass offen homosexuell lebende Menschen in Ruhe gelassen werden. „Stigmatisierung, Diskriminierung bis hin zur Gewaltanwendung ist leider noch immer trauriger Alltag für viele schwule Menschen. Homosexuelle können noch immer nicht in Frieden Hand in Hand über unsere Straßen gehen“, sagt er. Besonders bitter sei, dass sogar unter Homosexuellen zuweilen Diskriminierung herrscht. „Ausgrenzung aufgrund von Alter oder Herkunft kommen vor. Und sogar Schwulenfeindlichkeit, indem einem vorgeworfen wird, man sei zu schwul“, sagt Gaa.

Neben all den offenen Diskriminierungen kennt er auch die versteckten, oft nicht böse gemeinten, Spitzen. „Es werden immer wieder jede Menge blöder Witze und Andeutungen gemacht.“ Natürlich würden selbst viele homosexuelle Männer mitlachen. Aber zu oft gingen die Sprüche unter die Gürtellinie und verletzen die betroffene Person.

Am vergangenen Wochenende hat Christian Gaa in Düsseldorf beim Vorentscheid zum Wettbewerb Mr. Gay 2020 teilgenommen – und seit Sonntag ist klar, er ist weiter: Als einer von sieben Finalisten, wird er am 14. Dezember in Köln antreten. Um Schönheit allein geht es dabei nicht: Vielmehr wird ein Repräsentant für die schwule Community gesucht, der unter anderem mit einer eigenen Kampagne die Rechte der Schwulen in Deutschland stärkt. Bis dahin müssen die Finalisten jetzt ihre Kampagnen vorantreiben.

Der Soziologie-Student möchte als Kandidat die Aufmerksamkeit nutzen, um auf das Thema Gewalt gegenüber sowie innerhalb der schwulen Community aufmerksam zu machen. In seiner Kampagne tritt er dafür ein, dass die sexuelle Identität ins Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes aufgenommen wird. „So könnten wir schlagkräftiger gegen Ungleichheiten, etwa bei der Blutspende oder der Adoption, vorgehen“, hofft er.

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