Forschungszentrum der UAS untersucht Meinung Jugendlicher zu späterem Schulbeginn

Schulglocke soll um acht Uhr läuten

Sven Stadtmüller (links) und Andreas Klocke vom Forschungszentrum Demografischer Wandel. Foto: Frankfurt UAS/Kevin Rupp/p

Nordend-West (red) – Eine Mehrheit der Jugendlichen spricht sich für einen Schulbeginn um acht Uhr aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).

Die Wissenschaftler werteten hierfür Daten aus, die sie bei ihrer Längsschnittstudie „Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter“ (GUS) erhoben haben. In der GUS-Studie, die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gefördert wird, wurden im Schuljahr 2018/19 rund 7700 Schüler der neunten Jahrgangsstufe an 116 weiterführenden Regelschulen befragt, welche Unterrichtszeit sie an einem Schultag mit sechs beziehungsweise acht Unterrichtsstunden bevorzugen würden.

Die Auswertung der Studie zeigt, dass 52 Prozent der Schüler eine Unterrichtszeit von acht bis 13 Uhr favorisieren, wenn der Schultag sechs Schulstunden vorsieht. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) spricht sich für einen Schultag aus, der um neun Uhr beginnt und dafür erst um 14 Uhr endet. Fünf Prozent würden gerne noch später – erst um zehn Uhr – mit dem Unterricht anfangen und dafür eine Unterrichtszeit bis 15 Uhr in Kauf nehmen. Noch deutlicher fällt das Stimmungsbild aus, wenn die Schüler nach der bevorzugten Unterrichtszeit an einem Schultag mit acht Schulstunden gefragt werden: 69 Prozent wählten hier die Option „von acht bis 15 Uhr“, rund 22 Prozent sprachen sich für das Zeitfenster von 9 bis 16 Uhr aus und vier Prozent wünschen sich eine Unterrichtszeit von zehn bis 17 Uhr. „Dieses Stimmungsbild zeugt davon, dass die Schüler der Freizeit am Nachmittag offenbar einen sehr hohen Stellenwert zuschreiben“, interpretiert Andreas Klocke, Direktor des FZDW und Studienleiter, die vorliegenden Ergebnisse.

Dies sei vor allem deshalb interessant, „weil diese Präferenzen offenbar nicht mit dem Schlafrhythmus der meisten Jugendlichen übereinstimmen“, sagt Klocke. Denn zugleich bezeichnet sich eine klare Mehrheit der befragten Jugendlichen (59 Prozent) als Spätaufsteher, während sich nur 27 Prozent zu den Frühaufstehern zählen.

Tatsächlich unterscheidet sich das Stimmungsbild zum bevorzugten Unterrichtsbeginn zwischen beiden Gruppen klar: Unter den Spätaufstehern plädiert sogar eine knappe Mehrheit von 51 Prozent für eine Unterrichtszeit von neun bis 14 Uhr oder von zehn bis 15 Uhr, während 45 Prozent am Schulstart um acht Uhr festhalten möchten. Die Frühaufsteher sprechen sich dagegen eindeutig (zu 66 Prozent) für das Zeitfenster von acht bis 13 Uhr aus. Für den Schultag mit Nachmittagsunterricht zeigen sich diese Unterschiede analog, jedoch spricht sich hier selbst unter den Spätaufstehern eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent für eine Unterrichtszeit von acht bis 15 Uhr aus.

Unter den Frühaufstehern sind es sogar 76 Prozent. Keine Unterschiede in der favorisierten Unterrichtszeit zeigen sich hingegen nach der Schulform, dem Geschlecht oder nach der Dauer des Schulwegs. Interessant sei jedoch ein näherer Blick auf die beiden Gruppen der Früh- und Spätaufsteher, berichtet Sven Stadtmüller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZDW: „Die Spätaufsteher berichten deutlich häufiger von körperlichen und mentalen Gesundheitsproblemen.“ So leiden sie häufiger unter Kopfschmerzen, können sich schlechter konzentrieren und sind häufiger gereizt als jene Jugendliche, die sich zu den Frühaufstehenden zählen. „Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass es für Jugendliche auf Dauer belastend ist, wenn ihr Tagesablauf nicht ihrem präferierten Schlafrhythmus entspricht.“

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