Schaustellerverband zieht gute Bilanz und bereitet sich auf Jubiläen vor

Wo schläft das Karussell?

Die Frankfurter Schaustellerfamilie (von links): Lena, Thomas und Peter Roie. Foto: Faure
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Die Frankfurter Schaustellerfamilie (von links): Lena, Thomas und Peter Roie. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Neujahr. Längst ist der Weihnachtsmarkt abgebaut, sind Buden und Fahrgeschäfte zerlegt und verstaut. Die Straßen in der Stadt sind am ersten Tag des Jahres noch gezeichnet vom Silvesterfeuerwerk.

„Der Weihnachtsmarkt ist immer ein schöner Jahresabschluss für die Schausteller“, sagt Thomas Roie, Vorsitzender des 110 Mitglieder starken Schaustellerverbandes Frankfurt Rhein/Main. Und er hat eine lange Tradition in Frankfurt, wurde 1393 erstmals erwähnt. „Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als auf dem Weihnachtsmarkt die Geschenke eingekauft wurden“, sagt Roie. Das ist heute nicht mehr der Hauptgrund für den Besuch auf dem für vier Wochen weihnachtlich geschmückten Areal zwischen Hauptwache und Römerberg. „Der Weihnachtsmarkt bietet eine gesellige Auszeit. Es wurde sogar beobachtet, dass sich junge Leute unterhalten – ganz ohne Handy“, fügte Roie scherzhaft hinzu.

Ein Anziehungspunkt ist das historische Karussell mit zwei Ebenen, es gehört den Brüdern Thomas und Peter Roie. Und wo schläft das Karussell, wenn es keine Runden auf Märkten dreht? Peter Roie lacht: „In einer Halle in Altenstadt. Und es war in Italien im Urlaub, besser gesagt, zur Revision. Die Schilder sind handgemalt, da gibt es nur noch wenige Leute, die das können.“ Womit wir beim Schausteller an sich wären. Eigentlich sind es Betreiber von Fahrgeschäften, inzwischen zählen auch die Gastronomen mit ihren Ständen dazu.

Schausteller gibt es seit dem Altertum, sie sind in der Gegenwart zu wahren Vielberuflern geworden, sie müssen als Schlosser, Logistiker, Vertriebler, Elektriker, Schreiner und manchmal auch Psychologe und Diplomat ihre Frau und ihren Mann stehen. „Weil die Arbeit so vielschichtig ist, gibt es kaum Quereinsteiger. Aber Fachleute wie Ingenieure, Techniker und Prüfer sind gerade für moderne Fahrgeschäfte wichtig“, ergänzt Thomas Roie. Die Schausteller-Dynastie Roie, zu der rund 40 Familienmitglieder gehören, ist inzwischen in sechster Generation tätig. Erfolgreich. „Das Geschäft ist anstrengender geworden. Während früher sieben Arbeitsmonate im Jahr ausreichten, müssen wir heute elf Monate auf Märkten und Festen arbeiten, ein Monat kommt für Reparaturen und die Erprobung neuer Fahrgeschäfte obendrauf“, bemerkt Thomas Roie.

Der Barbarossamarkt vom 6. bis 9. März in Gelnhausen, der zum 30. Mal stattfindet, bildet den Saisonauftakt. Vom 2. bis zum 26. April lädt die 675. Dippemess am Ratsweg in Frankfurt ein. „Das Volksfest erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Erneut haben wir Deutschlands größtes Riesenrad dabei und planen noch einige Überraschungen. Vielleicht beginnen wir ja das Jubiläum schon mit einem Feuerwerk“, verrät Thomas Roie. Er fügt hinzu: „Unsere Feuerwerke sind Besuchermagnete und werden von Profis abgebrannt. Hinterher sieht es nicht so aus wie am Neujahrstag auf Frankfurts Straßen. Die Feinstaubbelastung ist gering in Anbetracht der Besucherzahl.“

Roie ärgert sich über ständig neue Vorschriften. „Deutschlands Fahrgeschäfte sind die sichersten in Europa“, erklärte er. Doch nicht nur die Anforderungen an die Fahrgeschäfte, auch diejenigen zur Sicherheit der Märkte und Feste sind gestiegen. Das wirkt sich natürlich auf Einnahmen und auch Preise aus.

Das Karussell darf sich noch ausruhen. „Aber zum 60. Hessentag vom 5. bis 14. Juni in Bad Vilbel wird es die Gäste wieder erfreuen“, sagte Peter Roie.

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