Zweite Auflage der Frankfurter Frauen Film Tage ab 26. November

„Remake“ und 20 Jahre Kinothek

Günter Schmitteckert, Hessen Filmförderung (von links), Karola Gramann, Rosemarie Heilig, Gabriele Wenner, Gaby Babic und Heide Schlüpmann stellen das Programm der zweiten Frankfurter Frauen Film Tage vor. Foto: Faure

Altstadt (jf) – Fanny, Arbeiterin in einer Baumwollspinnerei, hat auf einem Betriebsausflug eine Affäre mit dem Sohn des Fabrikanten. Da hilft wohl nur noch die Hochzeit, um die Ehre der jungen Frau zu retten – denkt die Familie. Fanny hingegen sieht das ganz anders.

Der Stummfilm „Hindle Wakes“ von Maurice Elvey, 1927 in Großbritannien erschienen, wirbelte damals ziemlichen Staub auf. Er ist nicht nur ein Beispiel für Emanzipation, er weist auch auf globale Zusammenhänge in der Baumwollindustrie hin. Der Streifen ist ein Highlight der zweiten Frankfurter Frauen Film Tage, die vom 26. November bis zum 1. Dezember stattfinden.

Die Kinothek Asta Nielsen, die auf ihr 20-jähriges Bestehen zurückblickt, beauftragte die Niederländerin Maud Nelissen mit der Komposition für ein fünfköpfiges Ensemble. Die Welturaufführung als „Cine-Concert“ ist am Donnerstag, 28. November, um 19.30 Uhr im Schauspiel Frankfurt zu erleben.

Die Frauen Film Tage unter dem Titel „Remake“, konzipiert von der Kinothek Asta Nielsen mit Karola Gramann, Heide Schlüpmann und Gaby Babic, haben einen besonderen Fokus: „Im Zentrum stehen Film und Kino als Formen und Orte der Geschichtsschreibung selbst – einer Geschichtsschreibung aus der Perspektive von Frauen“, unterstreicht Gramann. „Geschichtsanschauung. Her-Story im Kino“ lautet das Schwerpunktthema.

Ein weiteres Thema sind Filmfestivals mit weiblicher Prägung. „Im Juli 1987 kamen während des Filmfestivals in Moskau 300 Frauen aus 24 Ländern bei einer Sitzung im Haus des Kinos zusammen und beschlossen, eine internationale Organisation der Filmfrauen zu gründen. Die Georgierin Lana Gogoberidze und die Ungarin Márta Mészáros wurden als Präsidentinnen der ‚Kino Women International (KIWI)’ gewählt. Gogoberidze wird nach Frankfurt kommen und im Gespräch an KIWI erinnern“, gibt Gramann einen Vorgeschmack.

Beim personellen Schwerpunkt des zweiten „Remake“ liegt der Fokus auf Ella Bergmann-Michel, einer Fotografin, Malerin und Filmemacherin, die in einer Arbeitsgemeinschaft des Neuen Frankfurts ab 1925 organisiert war. Stadträtin Rosemarie Heilig: „In einer Zeit, in der Gewalt gegen Frauen zunimmt, ist ein solches Festival besonders wichtig.“ Gabriele Wenner, Leiterin des Frauenreferats, hält Zahlen für die Ungleichbehandlung von Frauen gerade in der Kulturbranche breit: „Im deutschen Kino wird nur jeder fünfte Film von einer Regisseurin inszeniert. Bei hohen Budgets sieht das noch krasser aus. Andererseits sind 40 Prozent der Absolventen von Filmhochschulen weiblich. Aber ihr Verdienst beträgt 24 Prozent weniger als der ihrer männlichen Kollegen.“

Das Festival mit rund 40 Filmen und Diskussionen findet im Uni-Kino Pupille, Mal Seh’n Kino, DFF, Harmonie Kinos und im Schauspiel statt. Außerdem werden Filme in Wiesbaden in der Caligari Filmbühne gezeigt. Details sind auf remake-festival.de nachlesbar. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Auflage mehr als 2000 Besucher anzieht – so viele, Männer und Frauen aus allen Altersgruppen, waren es zum Festivalstart 2018.

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