Für Patienten und Therapeuten wäre mehr Personal die Lösung

Raus aus der psychiatrischen Krise

„Mehr von uns ist besser für alle“: Die Gewerkschaft Verdi macht sich für mehr Personal in Psychiatrien stark. Foto: Beck

Frankfurt (zbs) – Bilder und Videos, die von Frankfurter Psychiatrien im vergangenen halben Jahr in der Öffentlichkeit kursieren, haben die Menschen deutschlandweit geschockt: Verwahrloste Patienten, überfordertes Personal und teilweise ganz unzureichende bauliche Einrichtungen zeigten sich etwa in einer Reportage über die Klinik Höchst und in einem Bericht des Fernsehens über das Uni-Klinikum.

Sofort reagierte Minister Kai Klose (Die Grünen) damals und versprach Besserungen. .

Was sich nun geändert hat und sich noch ändern soll, ist Schwerpunkt der 31. Frankfurter Psychiatriewoche. Freitagnachmittag eröffnete sie Stadtrat Stefan Maier am Gesundheitsamt in der Innenstadt: „Natürlich steht die Veranstaltungsreihe auch ganz im Zeichen der Undercover-Reportage vom Team Wallraff”, gesteht er sofort zu:

„Besonders jetzt ist es aber daher wichtig, Psychiatrie zu verstehen.” Er spricht zu Ärzten, Interessierten und Patienten. Auf der Agenda steht neben einer Erneuerung der Klinikkonzepte Frankfurts auch die bessere Eingliederung psychisch Kranker in die moderne Gesellschaft. So ist es Menschen mit Schizophrenie oder Borderline, laut Ärzteblatt immerhin gut drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland, oft unmöglich ein gesichertes Leben zu führen. Viele landen auf der Straße. Das liegt nicht zuletzt an dem Unverständnis, das Menschen mit Psychosen immer noch entgegengebracht wird, häufig aufgrund eines Mangels an Informationen.

Leiterin der Abteilung Psychiatrie im Gesundheitsamt, Alexandra Dippel, macht das zum Beispiel an einem Fall am Frankfurter Hauptbahnhof fest, bei dem ein Mensch, der offensichtlich psychisch schwer krank war, ein kleines Kind vor einen fahrenden Zug stieß. Die Situation nennt Dippel den „Weckruf für die Psychiatrie”: Hätte der Täter vorher medizinische Hilfe oder eine Einweisung in eine Klinik bekommen, wäre das Unglück vielleicht nicht geschehen.

Bei der augenscheinlichen Überlastung der Frankfurter Institutionen war dies aber nicht möglich. Viele Mitarbeiter der Frankfurter Psychiatrien verzweifeln an einem veralteten System und fordern mehr Personal. Auf einem Banner steht „Mehr von uns ist besser für alle!”

Es sind auch Menschen anwesend, die selbst schon zwangsfixiert und alleine gelassen wurden. Sie fordern einen ambulanten Krisendienst rund um die Uhr und ein einheitliches Hilfesystem. Damit soll psychisch kranken Personen vorbeugend geholfen werden, damit es gar nicht zu einer Einweisung kommen muss. Der Blick geht dabei nach Skandinavien, in denen betreute Wohngruppen und therapeutische Dörfer schon lange als Standard gelten. Bis Freitag, 13. September, sind in ganz Frankfurt bei der Psychiatriewoche Lesungen, Diskussionen und Workshops geplant. Infos auf www.psychia

trie-frankfurt-am-main.de.

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