Zwölfte Bahnhofsviertelnacht mit 48 Stationen und vielen Besuchern

Ein Quartier im Umbruch

Annegret Grafen und Oskar Mahler, der nach dem Hammer Museum „Die Hammer Story“ aufbaut.

Bahnhofsviertel (jf) – Im Hof des Diakoniezentrums Weser 5 haben sich unter den verblühten Glyzinien viele Interessierte vor der Bühne eingefunden.

Jürgen Mühlfeld, Leiter des Zentrums, begrüßt die Gäste: „Es ist uns wichtig, dass die Eröffnung der Bahnhofsviertelnacht in der Weser 5 stattfindet. Im Viertel kommen Arme und Reiche, Kranke und Gesunde, Menschen aus Frankfurt und aller Welt auf kleinem Raum zusammen. Hier finden Menschen, denen es nicht gut geht, Hilfe. “ Bei allem Umbruch im Viertel dürften die Obdachlosen nicht vergessen werden. Das Zentrum bietet einen Tagestreff, soziale Beratung, hat Platz für Notübernachtungen und ein Übergangswohnhaus.

Sänger der Oper Frankfurt gestalten den Auftakt und erhalten viel Beifall. Anschließend tritt Gastone auf – der Frankfurter Sarde und Sizilianer Giuseppe Porrello und Mathias Demmer singen von Freiheit und einem Leben, das nicht immer leicht ist. Auch Gastone bekommt reichlich Applaus. OB Peter Feldmann spricht von einer „zunehmenden Tendenz zum dunkelblauen Anzug oder Kostüm“ im Bahnhofsviertel und bemerkt: „Einige Straßen sind schon ziemlich clean.“ Neue Mieter kommen ins Quartier, die alten fürchten Verdrängung, weil die Mieten steigen. „Wir befinden uns am Scheideweg zwischen der weiteren Aufwertung des Viertels oder der Erhaltung des gegenwärtig Erreichten“, sagte er und wünschte allen Besuchern eine spannende Nacht.

Knapp 50 Stationen gibt es: Eine davon ist das Indian Flair in der Münchener Straße 14. Seit 1985 betreibt Surminder Singh Marwaha das Geschäft. Das Mango-Lassi, das es an diesem Abend am Tisch vor der Tür gibt, ist köstlich. Im Laden selbst duftet es nach Gewürzen, die es wohl nur hier authentisch gibt.

Die Buchhandlung Türk Kitapevi von Tahir Hacikadiroglu auf der anderen Seite gibt es seit 27 Jahren. Der Inhaber der größten türkischen Buchhandlung in Deutschland ist Autor, hat 14 Bücher geschrieben. „Wir verschicken Bücher in alle Welt“, sagt er. Aber das Geschäft sei schwieriger geworden. Deshalb habe man den Laden vor acht Monaten geteilt, dort hat Tochter Merve Hacikadiroglu das Toastado eröffnet und bietet mediterrane Spezialitäten an.

In der Kaiserstraße ist es genauso voll, sie ist zur Genussmeile geworden. Der Verkehr bleibt in dieser Nacht außen vor. Viele junge Leute haben ein Kaltgetränk in der Hand und plaudern miteinander. Der Kaisermarkt hat geöffnet, auf der Straße drängen sich die Menschen, auf dem Bürgersteig sitzen Bettler im Schutz von Kartons – krasser können die für das Viertel so typischen Gegensätze kaum sein.

„Wäre der Verkehr nur immer so ausgesperrt, wie heute“, wünscht sich Oskar Mahler. Sein Hammer Museum musste am 28. März schließen, nun baut er in der Kaiserpassage in der Roten Treppe etwas Neues unter dem Namen „Die Hammer Story“ auf. Zur Bahnhofsviertelnacht bietet er eine Auswahl seiner Hämmer zum Verkauf. „Ich will den Politikern zeigen, wo der Hammer hängt“, verkündet der Stadtteilbildhauer kämpferisch.

Vom Protest in die Lounge: Gina Alessandra Marquardt Mercedes rollt in der Zigarren-Lounge Mercedes Reyes eine „braune Göttin“. Das Besondere: Die muss nicht trocknen, sondern kann gleich genossen werden.

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