Fachkräftemangel erfordert neue Wege

Qualifikationscheck für Flüchtlinge

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Ganz in Weiß: Die Flüchtlinge haben gezeigt, was sie handwerklich drauf haben.

Fechenheim (red) – Dem Maler- und Lackiererhandwerk fehlen Fachkräfte. Geflüchteten Menschen, die in ihrem Heimatland als Maler und Lackierer gearbeitet haben, mangelt es an Dokumenten, um bei potenziellen Arbeitgebern ihre Berufserfahrung nachzuweisen.

Aus diesem Grund haben die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main und die Frap Agentur für diese nun erstmals einen Qualifikationscheck angeboten. Vergangene Woche haben daraufhin neun Flüchtlinge im innungseigenen Aus- und Weiterbildungszentrum in Frankfurt gezeigt, über welche Fähigkeiten sie als Maler- und Lackierer verfügen und einen entsprechenden Qualifikationsnachweis erhalten. Die Bescheinigung von Kompetenzen und praktischen Kenntnissen soll ihnen bessere Möglichkeiten eröffnen, eine Arbeit in einem Malerbetrieb zu finden.

„Für unsere Arbeit im Beratungs- und Lernzentrum der Frap Agentur ist diese Kooperation ein Gewinn und deckt eine wichtige Angebotslücke im Bereich der Arbeitsmarktintegration ab“, sagte Birgit Pörtner, Leiterin des Beratungszentrums. Dort wurden die Teilnehmer ausgewählt, fachsprachlich auf den Qualifikationscheck vorbereitet und werden im Anschluss weiter beraten. „Die Teilnehmer zählen zu den mehr als 5000 Menschen, die seit 2015 als Flüchtlinge nach Frankfurt gekommen sind und über keinen deutschen Berufsabschluss verfügen. In ihrem Heimatland haben sie viele Jahre als Maler, Handwerker oder Raumausstatter gearbeitet, Wände verputzt, tapeziert und gestrichen. Sie bringen Kompetenzen und Fähigkeiten mit, die bei hiesigen Handwerksbetrieben dringend gefragt sind. Zudem eint sie der Wunsch, endlich eine richtige Arbeit zu finden und ihr Einkommen unabhängig von Sozialleistungen erwirtschaften zu können.“

„Für das Maler- und Lackiererhandwerk birgt dieser neue Weg enorme Chancen, dem Fachkräftemangel zu begegnen und kompetente Maler und Lackierer zu rekrutieren“, sagt Felix Diemerling, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Die Innung hatte für die Maßnahme eigens einen dreitätigen Qualifikationscheck entwickelt, mittels dem die Berufserfahrung der Teilnehmer praktisch geprüft, dokumentiert und bewertet wurde. Neben den fachlichen Fertigkeiten hat die Innung die sozialen Kompetenzen, die Motivation und das Arbeitsverhalten bewertet.

Die Teilnehmer erhielten am Ende eine detaillierte Auswertung. Durchgeführt wurde der Check durch den Ausbildungstrainer der Innung, Malermeister Uwe Dittrich. Finanziert wurde er aus Mitteln des Frankfurter Arbeitsmarktprogramms.

Stadträtin Professor Doktor Daniela Birkenfeld, Sozialdezernentin der Stadt Frankfurt und damit für die Unterbringung von Flüchtlingen in Frankfurt und die städtische Arbeitsmarktförderung zuständig, begrüßt solche pragmatischen Ansätze ausdrücklich: „Für die Mehrzahl der Geflüchteten ist es aufgrund der Vorschriften in Deutschland und dem anspruchsvollen Arbeitsmarkt sehr schwierig, direkt nach dem Integrationskurs einen Job zu finden. Wir brauchen deshalb gute Beratung und Brücken wie diesen Qualifikationscheck. Ich hoffe, dass auf der Basis Betriebe den Teilnehmern nun Möglichkeiten eröffnen, zum Beispiel durch Probearbeiten und Praktikumsplätze den nächsten Schritt in den Arbeitsmarkt zu schaffen.“

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