Bürger im Dialog

Plastikmüll und kein Ende?

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Professor Jörg Oehlmann (von links), Rosemarie Heilig, Petra Boberg, Wiebke Franz und Michael Werner sprechen über die Zukunft des Plastikmülls in Frankfurt.

Westend (zmo) – Trotz Europaeinsatzes der Frankfurter Eintracht gegen Inter-Mailand und scheußlichem Wetter, machten sich viele Frankfurter am Donnerstag auf den Weg ins Senckenberg Institut, um von der Politik, Verbraucherzentrale, der Wissenschaft und Entsorgung zu hören, was gegen den Plastikmüll getan werden kann.

An dem Dialog mit den Bürgern beteiligte sich Stadträtin und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen, Prof. Jörg Oehlmann, Biowissenschaftler an der Uni, und Michael Werner, Frankfurter Entsorgung und Service (FES). Petra Boberg moderierte den Abend und fragte gleich zu Beginn der Veranstaltung, was denn getan werden müsse, um dem Plastikmüll zu begegnen.

Für Rosemarie Heilig hat der Plastikmüll eine erschreckende Dimension erreicht: „Vom Schnuller bis zum Urinbeutel ist bei uns ja fast alles aus Plastik. Europa ist hier Weltmeister. In Frankfurt versuchen wir seit geraumer Zeit mit zahlreichen Aktionen auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie man plastikfrei einkaufen kann und, wie vernünftig entsorgt wird. Im Stadtgebiet und in den Grünanlagen sind in den vergangenen Monaten vermehrt Müllbehälter aufgestellt worden, Parkwächter sind eingesetzt und die FES ist häufiger unterwegs, um städtische Anlagen sauber zu halten“, erklärt Heilig die Initiativen der Stadt. Sorgen macht ihr aber die enorme Vermüllung an den Mainanlagen. „Obwohl auch hier in kurzen Abständen weitere Müllboxen aufgestellt wurden, lassen die Menschen ihre Abfälle da liegen, wo sie gesessen haben“, beklagt sie die unglaubliche Nachlässigkeit einiger Bürger.

Michael Werner von der FES erklärte den Zuhörern anhand einer gut gefüllten Mülltonne, was in die einzelnen Behälter hineinkommt und was nicht. Die Trennung werde nicht immer sehr ernst genommen oder scheint für viele zu kompliziert, was die Entsorgung nicht erleichtert. Für ihn wäre es wichtig, das Thema Entsorgung schon in Schulen und Kindergärten verstärkt zu behandeln. Auf Fragen aus dem Publikum betonte er nachdrücklich, dass „der Frankfurter Müll nicht ins Ausland gebracht, sondern ausschließlich in Deutschland entsorgt wird. Viel wichtiger wären Gespräche mit Unternehmen, um mit ihnen über Lösungen plastikfreier Verpackung zu reden. Von dieser Seite ist bislang aber kein großes Interesse daran gezeigt worden.“

Das es „plastikfreier“ geht, glaubt auch Professor Jörg Oehlmann. „Biologisch abbaubare Verpackungen einzusetzen, ist dem Handel aber zu teuer. Es kommen zwar gute Ideen – sowohl von den Universitäten, als auch von Start-up-Unternehmen, diese werden aber von der Industrie oft blockiert“.

Wiebke Franz rät den Zuhörern beim Einkaufen eigene Stoffbeutel mitzunehmen. In einigen Frankfurter Lebensmittelmärkten können Kunden jetzt sogar schon Fleisch- und Wurstwaren in eigenen Behältnissen einkaufen. Damit könne viel Plastikmüll verhindert werden. Es gab an diesem Abend eine ganze Menge Fragen, von denen viele beantwortet werden konnten – viele aber auch nicht oder nur vage. Das Problem Plastikmüll dürfte damit noch lange nicht zu Ende sein. Wichtig war aber, dass man jetzt wenigstens anfängt, ernsthafter darüber zu reden.

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