Politik und Fußball sind sein Leben

Daniel Cohn-Bendit stellt seine Autobiografie in der Nationalbibliothek vor

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Daniel Cohn-Bendit spricht über Politik und Fußball.

In der Deutschen Nationalbibliothek fanden am Mittwoch gleich mehrere Premieren statt: Die Reihe „Frankfurter Premieren“ des Kulturamts der Stadt hatte erstmals in die Nationalbibliothek eingeladen, weil die sonst üblichen Veranstaltungsorte nicht ausreichend Platz boten.

Nordend-West –  Christoph Schröder und Autor Daniel Cohn-Bendit stellten das gerade bei „Kiepenheuer & Witsch“ erschienene Buch „Unter den Stollen der Strand“ mit dem Untertitel „Fußball und Politik – mein Leben“ vor. Der seit Januar amtierende neue Generaldirektor Frank Scholze begrüßte die Gäste der ausgebuchten Veranstaltung. .

Sonja Vandenrath, Leiterin der Reihe „Frankfurter Premieren“, freute sich über den „Salon im Saal“ und verwies auf den Büchertisch im oberen Foyer. Christoph Schröder, Journalist, Autor und Fußballschiedsrichter und an diesem Abend Dialogpartner auf der Bühne, bemerkte vorab, dass der 1945 im französischen Montauban geborene Cohn-Bendit Kind einer jüdischen Familie ist, die 1933 vor den Nazis aus Deutschland nach Frankreich geflohen war. 1968 wurde er aufgrund der aktiven Beteiligung an den Studentenprotesten in Frankreich ausgewiesen und ließ sich in Frankfurt nieder. In dieser Stadt hat er viele Spuren hinterlassen. „Das nun vorliegende Buch verknüpft Autobiografie und Fußball“, urteilte Schröder und sprach die legendären Fußballspiele im Ostpark an. „Eigentlich haben wir im Günthersburgpark mit dem Kicken begonnen. Ich selbst war ein mittelmäßiger Spieler, aber beim Kopfball besser, als meine Größe ahnen lässt“, erklärte Cohn-Bendit. Außerdem erinnerte er an seine Urschreitherapie und an Joschka Fischer: „Er hatte die Ehre, mit mir Fußball zu spielen.“

Nationalbibliothek Frankfurt: Daniel Cohn-Bendit stellt Autobiografie vor

„Wie ist das eigentlich, wenn Sie Fußball sehen? Sind Sie lieber alleine oder mit Freunden zusammen?“, fragte Schröder. „Besser alleine, die anderen halten das mit mir nicht aus, ich weiß alles besser“, bekannte der Autor, der bereits als Kind in Frankreich zum Fußball ging. Dabei suchte er sich vor dem Stadion einen Mann aus, sprach ihn an – denn wenn jemand damals ein Kind dabei hatte, musste er nicht zahlen – und legte ihm die Vorteile des Mitnehmens dar. Das habe immer funktioniert. „Ich schoss auch immer mit und traf manchmal die vor mir Sitzenden in den Rücken“, gab er zu. Eine Angewohnheit, die er immer noch hat: Kürzlich, als er bei Freunden das Spiel von Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig sah, sei sogar ein Teeservice zu Bruch gegangen.

„Ihre Fußballsympathie hat immer Frankreich gegolten. Warum?“, wollte Schröder wissen. „Das hängt mit meiner Geschichte zusammen. Meine Eltern flohen aus Deutschland, mussten sich in Frankreich verstecken. Diese vorgeburtlichen Verletzungen brauchten ein Ventil, das war der Fußball“, sagte Cohn-Bendit. „Klar war ich 1954 für Ungarn, habe nach dem Sieg der deutschen Mannschaft eine Stunde lang geweint. Aber Fußball ist auch faszinierend, weil nicht immer der Bessere gewinnt.“

Nationalbibliothek Frankfurt: Ein Thema ist die Homophobie im Fußball

Ein weiteres Debakel für Cohn-Bendit war der Sieg der Deutschen 1982 im Halbfinale gegen Frankreich, nach Elfmeterschießen stand es 5:4. „Ich habe mit Michel Platini gesprochen, der sagte: ‚Es war schrecklich. Aber so ist Fußball‘“, äußerte der Autor.

Ein anderes Thema war die Homophobie im Fußball. „Ich habe ja den Traum, dass irgendwann ein amtierender Weltmeister bekennt: Yes, I‘m gay!“, sagte Cohn-Bendit. Zum Schluss wagte er, der sein Buch auch als „Autobiografie über Bande“ bezeichnete, noch eine Prophezeiung für die Europameisterschaften: Am 16. Juni 2020 werde Frankreich gegen Deutschland 3:2 gewinnen. Mal sehen.

(jf)

Sie hat sich den Namen „Tru Motion“ gegeben: Bewegung und Austausch stehen imMittelpunkt der Allianz der Goethe-Universität mit Hochschulen in Lodz, Lyon, Mailand und Thessaloniki, die gestern vertraglich besiegelt wurde.

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